Fluechtlingsbetreuung/Containertagebuch

      Diese Camps gibt es, sie sind aber materiell viel zu schlecht ausgestattet und sie nötigen die dort gestrandeten Menschen zur Weiterflucht.
      Die reichen Länder bzw die Reichen überhaupt haben die gottverdammte Pflicht, diese Camps mit ausreichend Mitteln auszustatten, gegenwärtig ist das nicht der Fall, insbesondere nicht in Kurdistan, Jordanien, Libanon und Türkei.

      Das Fluchtproblem ist AUSSCHLIESSLICH über die Bearbeitung von Fluchtursachen zu lösen, jede Art von Abschottung, bürokratischer Schikane oder Deportation ist ein verbrecherischer Verstoß gegen die Menschlichkeit. Die an diesen Verbrechen Beteiligten sind nicht nur für die Schäden verantwortlich, die die Geflüchteten erleiden, sondern sie provozieren auch Verzweiflung, Wut und Hass; sie treiben im Endeffekt terroristischen Gruppen wie zB dem IS neue Kämpfer zu.

      Wenn also zB aufgrund des verantwortungslosen Verhaltens österreichischer Wähler dort ein faschistischer Bundespräsident ins Amt kommt, der "Österreich zuerst" herumplärrt, dann kann es durchaus sein, dass auch Dschihadisten auf die gleiche Idee kommen und zB die Inntalbrücke sprengen oder im Tauerntunnel eine Bombe zünden mit verheerenden Konsequenzen. Die Opfer werden vermutlich in der Mehrheit nicht diese verantwortungslosen Wähler sein.

      So bleibt nur übrig, gegen diese menschenverachtende Politik lautstark zu protestieren. Morgen ist ein europaweiter Aktionstag zum Thema:
      MIGRATION IS A RIGHT !
      DEPORTATION IS A CRIME !!!!!
      In Hamburg gehts um 12h los am Goldenen Pudel Club Nähe St. Pauli Fischmarkt.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Die Türkei will ja jetzt Kurdistan in Syrien und Nordirak von den Kurden
      cleanen, um dort für die anderen syrischen Kriegsflüchtlinge riesige Camps
      in einem sicheren Gebiet+ eine Pufferzone zur Türkei einzurichten.
      Sozusagen ein vom türkischen Militär abgeschirmte Großinternierungs-
      lager mit rundherum abgeschlossener Grenze nach dem Vorbild von Gaza.
      Irgendwie klingt das nicht nach einer realistischen Perspektive.

      Dann viel Erfolg bei der Demo morgen. Und treibt es nicht so wild. Denn ihr wißt
      sicher, nichts ist schädlicher für eine Sache als blinde Gewalt.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Original von COOLmann
      Die Türkei will ja jetzt Kurdistan in Syrien und Nordirak von den Kurden
      cleanen, um dort für die anderen syrischen Kriegsflüchtlinge riesige Camps
      in einem sicheren Gebiet+ eine Pufferzone zur Türkei einzurichten.
      Sozusagen ein vom türkischen Militär abgeschirmte Großinternierungs-
      lager mit rundherum abgeschlossener Grenze nach dem Vorbild von Gaza.
      Irgendwie klingt das nicht nach einer realistischen Perspektive.

      Das schaffen die eh nicht, hoffentlich.
      Original von COOLmann
      Dann viel Erfolg bei der Demo morgen. Und treibt es nicht so wild. Denn ihr wißt
      sicher, nichts ist schädlicher für eine Sache als blinde Gewalt.

      Danke, lieber COOLmann.
      Ich werde gesittet demonstrieren, meine wilden Zeiten sind vorbei.
      Das Untersuchungsgefängnis Hamburg-Holstenglacis kennen Schnuppi und ich von einer Einladung der Knastärztin, München-Stadelheim als Kurzzeitknacki und auf Fuhlsbüttel hab ich keinen Bock.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Apropo Knast. Ich wußte ja schon immer das Fernsehen bildet.
      Vor Jahren hatte ich mir mal zur "Eröffnungsveranstaltung" den
      offenen Vollzug einer neu eingerichteten JVA angeschaut.
      Es war so ähnlich wie Arbeiterwohnheim mit Einlaßkontrolle,
      nur das man in der Nacht nicht rauskam.
      Also mit Selbstkoch-Küche, Aufenthaltsräumen, Gemeinschafts-
      Sanitärräumen(Duschen jeden Tag möglich). Fehlte nur noch die Club-Bar. :zwinker2:
      Wenn die Insassen sich das Leben nicht gegenseitig schwer machen,
      also jedem unfreiwilligen Obdachlosen in der Winterzeit zu emphehlen.
      Nun wieder zum Bildungsauftrag des deutschen Fernsehens:
      Durch "Perfektes Dinner" weis ich jetzt das der deutsche Staat den
      amerikanischen Weg des Justizvollzuges geht. Nicht erschrecken, keine
      Wiedereinführung der Todesstrafe um Geld zu sparen....aber er läßt
      Privatfirmen die JVA`s betreiben. Die JVA als Geschäftsfeld, der Häftling
      als Ware und der Vollzugsbetrieb als ökonomisches Kampffeld ( Gewinn muß
      sein, humanistischer Vollzug kann sein).
      Die JVA in Burg bei Magdeburg ist so ein Pilotprojekt. Bisher waren die finanziellen
      Vorteile der Privatisierung noch nicht überzeugend. Aber man weis schon woran es liegt:
      1) Durch Optimierung der Unterbringungskosten, Minimierung der Arbeitslöhne (für arbeitende
      Knastinsassen) und kostenpflichtige Zusatzangebote (hohe Preise im Knastshop), kostenpflichtige
      Fernsehanschlüsse und Telefonanschlüsse (Handy`s sind ja verboten) kann nur ein Teil der
      Profitwünsche erfüllt werden. So lange der Staat noch die Oberleitung hat müssen die Haft-
      bedingungen zumindest gesetzeskonform sein. In den USA ist es zumindest im Bereich der
      Kleinkriminellen (Prison, Strafe bis 3 Jahre) nicht immer so. Hihi...ich kenne da einen Knastwärter....
      Für Schwerverbrechen (Jail) hat immer noch der Staat die Hand drauf.
      2) Es wird die Justiz dazu ermuntert die Knastplätze wenigsten annähernd zu füllen. Denn Leerstand
      kostet. :haarerauf:
      Nun hat sich der Kreis wieder geschlossen. Es liegt nahe, daß Querulanten gern mal zur pädagogischen
      Ermunterung in einer Zelle zwischengeparkt werden wo früher maximal
      die Personalien festgestellt wurden.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Da heute "Pfingstfest" in der christlichen Kirche gefeiert wird
      habe ich ein bißchen nach der Bedeutung recherchiert.

      theology.de/kirche/kirchenjahr/pfingsten.php

      Im Kontext mit den Ursachen der Migration wäre es ein Traum,
      wenn ein Geist alle Menschen wieder einen könnte.
      Mein Wunsch für heute: Lieber Gott, laß Geist in die Hirne
      aller Menschen strömen, egal welcher Religion sie angehören.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Sightseeing im Knast - mal was neues.
      Ich werd später drauf eingehen, da derzeit in Reisevorbereitung, (heut Berlin, Fraitag Hof, Montag heim), und wenigstens noch einen Bieberhausabschiedsposting rein soll.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Bieberhaus 13.5.2016

      Abschiedsstimmung.
      Die Erwachsenenkleiderkammer ist schon zu, in der halb geräumten KITA treiben sich ein paar Kinder mit ihren Müttern herum, die schon Wochen hier sind und ein letztes Mal die inzwischen vertraute Umgebung geniessen wollen. Nur in der Kinderkleiderkammer ist Trubel, weil sich viele Familien aus den Camps mit Kleidung eindecken wollen, bevor die Reste in das Lager von Hanseatic Help gebracht werden.
      (Bilder später, in 1-2 Wochen, da ich jetzt in Reisevorbereitungen stecke - nein, nicht nach Idomeini, dazu später hier im Text).

      Verschiedene Mitarbeiter/inn/en bemühen sich um Anschlussjobs, für "meine" Dolmetscherinnen formuliere ich ein kurzes Zeugnis, damit sie sich leichter in den verschiedenen medizinischen Einrichtungen bewerben können, die händeringend Übersetzer/innen suchen, zum Beispiel eine Suchtambulanz, die jetzt von zahlreichen opiatabhängigen Afghanen aufgesucht wird.
      Als Hausarzt im Ruhestand habe ich seit Oktober 2015 in der Medizinischen Sprechstunde für Geflüchtete am Hamburger Hauptbahnhof Patient_innen betreut, zuletzt in der vom Paritätischen Wohlfahrtsverband betriebenen Tagesaufenthaltsstätte Bieberhaus für Transitflüchtlinge. Leider schliesst diese Einrichtung zum 15.5.2016.
      Frau ... stand mir regelmäßig als Übersetzerin vor allem für aus Afghanistan kommende Geflüchtete zur Verfügung; ich habe gern mit ihr zusammengearbeitet und bedaure sehr, dass diese Arbeitsbeziehung jetzt ihr Ende findet. Ich kann sie als Dolmetscherin vor allem im medizinischen und sozialen Bereich jederzeit wärmstens empfehlen und wünsche ihr diesbezüglich alles erdenklich Gute.

      Zwischendrin trudeln noch Patienten ein, die meisten erkältet. Ansonsten sortieren wir, was an Medikamenten hier bleibt, und was mit dem nächsten Transport nach Idomeni gehen kann. Joost schickt dramatische Berichte (siehe TB 32b), während ein anderer Kollege, der eine Woche lang hingeflogen war und helfen wollte, Schwierigkeiten hatte, seine gespendeten Medikamente loszuwerden.
      Wir fuhren am ersten Tag mit 2 grossen Rucksäcken voller Medikamente vom Flughafen Thessaloniki nach Idomeni und waren etwas enttäuscht dass weder die Ärzte ohne Grenzen,noch die free doctors noch eine syrisch-usa Hilfsorganisation unsere Medikamente haben wollten,aber ich habe mich überzeugt dass diese Organisationen wirklich genug Medikamente hatten. Auch die Helfer meinten,die ärztliche Versorgung sei ok.

      Also fuhren wir wieder nach Thessaloniki weil ich mich erinnerte dass dort eine Klinik bzw Praxis für Arme existiert. Ein Drittel vielleicht sogar mehr der Griechen ist durch die wirtschaftliche Krise nicht mehr krankenversichert!
      Sie wird ähnlich dem Bieberhaus von ehrenamtlichen Ärzten und Schwestern geführt. Es war für sie eine grosse Freude dass wir kamen und so viele sinvolle Medikamente bei uns hatten.

      Dann sind wir wieder nach Idomeni gefahren und haben mit vielen Helfern aus ganz Europa gesprochen was wir tun könnten für die kurze Zeit die ich nur hatte.Man riet uns,Essen zu kaufen für die kinder und es zu verteilen,und das haben wir die nächsten Tage gemacht:hin zum supermarkt wieder zurück und wieder hin usw,jeden Tag,ich habe mit vielen Flüchtlingen und besonders Helfern gesproche,Es hat mir sehr viel gegeben.
      Zum Schluss ein Gespräch mit einer Polnischen Helferin.Auf die Frage ob es nicht ein Tropfen auf den heissen Stein sei was ich hier mache sagte sie,ja,so kann man das sehen aber man könnte auch sagen,dieser Tropfen fliesst in den Ozean.

      Ähnlich berichtete auch der Mannheimer Rechtsanwalt (TB 29b) wonach die Situation zwar angespannt aber nicht so desolat sei wie Joost sie erlebt. Ich denke, dass sich dieser Widerspruch dadurch erklärt, dass Joost und andere in die entlegeneren Camps fährt, in die jemand ohne eigenes Fahrzeug gar nicht hin kommt. Und inzwischen auch weiss, wo diese Camps sind.

      Um 12:24 bekomme ich einen Anruf, ob ich Antiepileptika besorgen könne, Joost würde zahlreiche Patienten mit unbehandelter Epilepsie vorfinden. Jetzt ist Freitagmittag für so eine Anfrage ein ganz blöder Termin (deshalb hab ich auch auf die Uhr geschaut), denn die meisten Neurologen, die derartiges vorrätig hätten, lassen freitags um 12:00 ihren Reflexhammer fallen, und anach geht nix mehr. Über irgendeinen Berliner Kontakt liess sich das Problem dann doch noch lösen.

      Hier im Bieberhaus sind einige Helferinnen, die bald nach Griechenland fahren und am liebsten unsere gesamten Vorräte mitnehmen möchten. Andererseits werde ich von der Leitung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gebremst, der einen Großteil der hier gelagerten Medikamente bezahlt hat. Der Geschäftsführer schreibt mir:
      Es wird sehr schwer, das alles wiederzubeschaffen, wenn es gebraucht wird. Und schaut Euch bitte den wackeligen Kurs mit Herrn Erdogan an. Wenn dieser faule Handel platzt, haben wir ruckzuck dieselbe Situation wie im vergangenen Sommer.

      Hoffentlich hat er Recht.

      14. Mai 2016, St. Pauli "Pudel-Club"

      Die Demo zum europaweiten Aktionstag
      MIGRATION IS A RIGHT ! DEPORTATION IS A CRIME !!!!!
      beginnt zäh, am Schluss ziehen doch etwa 1000 Leute bis hinter den Hauptbahnhof zum Münzplatz, wo vor dem räumungsbedrohten Kollektiven Zentrum die Abschlusskundgebung stattfindet. Alles verläuft laut, aber ruhig, auch der NDR hat über uns berichtet:
      ndr.de/fernsehen/sendungen/ham…menskultur,hamj47968.html

      Ich werde jetzt eine Woche in Urlaub fahren, dann kriegt Ihr noch ein paar Bilder aus dem Bieberhaus, von der Demo und vom Abschiedsgrillfest im Anschluss an die Demo.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      grizzly ist auf Reisen und damit haben wir etwas Zeit
      in der Geschichte zurück zu blicken. Am Anfang der
      Katastrophe im Nahen Osten stand die Expansionswut
      der europäischen Großmächte zur Zeit des 1. Weltkrieges,
      allen voran Großbritanien und Frankreich. Danach kam noch
      die unheilvolle Allianz von Zionisten mit den USA dazu.
      Und nun explodiert der ganze Kessel. Eine der Nebenwirkungen
      sind die Flüchtlingsströme. Und typischerweise übernehmen
      die Hauptverursacher (England, Frankreich, später auch USA)
      dabei die wenigste Verantwortung.
      Steile These meint ihr? Vielleicht...aber Polit-Historiker haben da auch
      eine Meinung dazu.
      n-tv.de/politik/Wie-Willkuer-z…urde-article17682631.html
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Heute beginnt die Räumung vom illegalen Flüchtlingscamp
      "Idomeni". Ein ehemaliger Botschafter Deutschlands in
      Griechenland (der regelmäßig die griechische und deutsche
      Regierung berät) hat vor ca. 2 Wochen in einem Interview
      seine Sicht der Dinge dargestellt. Idomenie existiert nur wegen
      dem "Ungehorsam" der Menschen. Im Umkreis sind mehrere
      "Hot-Spots" mit besseren Lebensbedingungen entstanden.
      Die Menschen weigern sich aber, diese zu nutzen. Deshalb
      hat er die Regierungen ermundert, die Flüchtlinge von Idomenie
      zum Wechsel zu überreden. Und wenn das nicht fruchtet es
      zwangsweise durchzuführen. Er meinte : "Die Welt braucht
      diese Bilder."
      Was er nicht erwähnte ist die Migrationspolitik.
      Hot-Spot, betreten nur bei Asylantrag in Griechenland, danach
      Verlassen nur mit polizeilicher Kontrolle, bei Ablehnung des
      Asylantrages Rückführung in Ausgangsländer u.U. auch in
      die Türkei als Zwischenstop, nur die wenigsten können auf eine
      Weiterreise nach Zentaleuropa hoffen (das ist ja auch der Plan)
      Diese von der EU initiierten "Hot-Spots" sind im Prinzip "aufgehübschte"
      Internierungslager. In der Türkei, Libyen und Jemen soll diese
      Vorgehensweise in noch größerem Umfang nachvollzogen werden.
      Wobei dann nur noch Einzelfälle den Weg nach Europa finden.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „COOLmann“ ()

      Es wird ruhig um die Flüchtlinge. Die Tagespolitik und der
      Sicherheitsapparat übernimmt.....
      Hier und da hat es ein Journalist geschafft, vor Ort Zeuge
      der Geschehnisse zu werden. Sicher auch nicht ganz
      uneigennützig werden die Befindlichkeiten in den Massenmedien
      transportiert. Gestern hatte ich schon einmal den ehemaligen deutschen
      Botschafter in Griechenland zitiert.
      Die Welt braucht diese Bilder...um die Menschen von der Migration abzuschrecken.
      spiegel.de/kultur/gesellschaft…gen-himmel-a-1093943.html
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Nicht nur das Wasser...
      Auch die Lieferungen an Lebensmitteln und Medikamenten wurden
      gestoppt und alle Hilfsorganisationen inclusive der Berichterstatter
      mußten das Gebiet verlassen. Es war eben alles "generalstabsmäßig"
      vorbereitet. Diese Vorbereitung hörte hinter dem Lager Idomenie aber
      irgendwie auf. Es gibt Berichte das die "Ausweichlager" noch schlechter
      ausgerüstet sind als Idomenie selbst.
      focus.de/politik/videos/hilfso…camp-sein_id_5561603.html

      PS: Wie ich gelesen habe hast Du einen Abstecher nach Schweden gemacht. Was
      sagen denn die Schweden zur Flüchtlingsproblematik? Ist dort die allgemeine Stimmung
      in der Bevölkerung immer noch so positiv wie am Beginn?
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Schweden:
      Ich war mehr mit meiner Tante beschäftigt, die, Stnd von heute, jetzt wohl tatsächlich im Sterben liegt. Wenn ich in Schweden erzähle was ich hier mache, bekomme ich, ähnlich wie in deutschland, ausschliesslich positive Rückmeldungen. Die Arschlöcher trauen sich offensichtlich gar nicht in meine Reichweite. Andererseits sind meine Eindrücke dann nicht unbedingt repräsentativ.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Aus persönlichen Gründen krieg ich grad keinen eigenen Bericht zusammen - meiner 95jährigen Tante in Ulricehamn/Schweden geht's sehr schlecht, ich war grad dort, und muss womöglich bald wieder hin. Wichtig ist mir trotzdem, dass Ihr aus 1. Hand mitbekommt, was in Idomeni passiert, deshalb 2 Berichte von vor Ort und natürlich die Bitte um Spenden, nachdem die griechische Polizei große Teile des letzten Hab und Guts der Geflüchteten mit Bulldozern zusammengeschoben hat:
      IBAN: DE62 2586 1990 0088 5576 00
      BIC: GENODEF1CLZ
      Kontoinhaber Ottavio
      Verwendungszweck:
      Spende Flüchtlingshilfe Joost


      Nahe bei Idomeni und im Krankenhaus Kilkis Nacht vom 28./29.5.2016 (Bericht von Joost/Arzt)

      40 Tage ist das winzige Baby alt. Es schläft in einem kleinen Igluzelt direkt an der Autobahn mit seinen zwei Geschwistern, seiner 24 j. Mutter und dem Vater. In dieses Zelt wurden wir kurz vor Mitternacht gerufen. Die Mutter hat furchtbare Schmerzen. Schuhe aus und in das winzige Zelt gekrochen. Rucksack aufgemacht Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Thermometer ausgepackt. Einmal Untersuchung im knien. Uff. Wieder auf die Beine gehievt. Mist mein linkes Bein ist eingeschlafen. Humpelnd Schuhe wieder an, zum Auto gehumpelt und aus dem anderen Rucksack weitere Diagnostik geholt. Wir untersuchen und beraten uns. Der junge Mann spricht Englisch. Wir lassen uns genau alle vorhandenen und eingenommenen Medikamente zeigen und erklären. Dafür, daß die Mutter stillt, ist es eine ganze Menge. Alles in allem haben sich schon mehrere ÄrztInnen versucht - ohne Erfolg. Also werden, angesichts des hochakuten Zustands, weitergehende Untersuchungen notwendig. Wir schlagen vor, ins Krankenhaus zu fahren. Vater und Mutter sind in größter Sorge, von der Polizei gehindert zu werden, nach der Krankenhausbehandlung ins Camp zurück zu kehren und dadurch die Kinder zu verlieren.


      Bild: Hubertus Stahlberg Idomeni Anfang Mai 2016

      Die Furcht ist nachvollziehbar. Haben doch schon so viel Menschen ihre Kinder oder Familienangehörige auf der Flucht verloren und bisher nicht wieder gefunden. Aber was soll man angesichts des akuten Zustands machen. Nochmal eingehende Beratungen über die verschiedenen Optionen dann stimmen beide zu ins Krankenhaus zu fahren.

      Ich telefoniere mit einer sehr netten Frau in der Leitstelle und die Ambulance wird uns für in 25 min zugesagt. Kaum am Auto zurück sind wir umringt von jungen Männern. Einer mit seit einer Woche quälendem Durchfall - bekommt Medikamente. Der nächste mit einer Schnittwunde - wird inspiziert und auf morgen vertröstet. Und der vierte, den wir vorgezogen hatten, mit einer ziemlich wahrscheinlichen Fraktur des Armes. Die wunderbare Rettungssanitäterin packt alle in den Rettungswagen, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Wir verlieren die Ambulance aus den Augen und verfahren uns schrecklich. Allen, die versucht haben uns trotz nachtschlafender Uhrzeit mit Navigationsempfehlungen beizustehen herzlichen Dank.
      Als wir im Hospital ankommen, sind beide schon untersucht und z. T. auch verarztet. Röntgenbilder, Gipsverbände, Medikamentenempfehlungen. Wir lassen uns die Empfehlungen von sehr freundlichen Ärzten ins Englische Übersetzen. Dann bitten wir um einen Rücktransport und dieser wird von MSF zugesagt. Während der Wartezeit, diskutieren wir mit einer griechischen Mitarbeiterin des Krankenhauses über die Not in Griechenland, die Menge an Flüchtlingen und ihre Bedürfnisse Nach einiger Uneinigkeit, können wir uns schließlich darauf einigen, daß es eine der typischen christlichen Traditionen ist, zu teilen. Die Unterhaltung war zäh und wir hoffen, daß sie geeignet ist, den Flüchtenden mit weniger Abwehr zu begegnen.
      Morgen geht's weiter.
      Apropos, die Angst der Menschen vor Verlust der Angehörigen ist riesig. Es ist schwer auszuhalten dies zu beobachten. Es werden dringend Bleibeperspektiven für alle gesucht. Was tun wir diesen jungen Menschen an, in dem wir die Grenzen verschließen. Es ist unvorstellbar unter den Bedingungen in den Camps, länger als drei Tage zu leben. In winzigen Zelten seit mehreren Monaten. OFFENE GRENZEN UND SICHERE FLUCHTWEGE SOFORT!

      Bericht von Grit Weingart 28.5., 2:20

      Idomeni ist leer. Leergefegt muss man sagen. Denn all das, was dort in den letzten Wochen von unterschiedlichsten Hilfsorganisationen und mit weltweiten Spenden aufgebaut wurde, wird vom Bulldozer zusammengekarrt. Z.B eine 9000 € teure Küche, die vor kurzem auf dem Feld errichtet wurde. Duschanlagen, tausende Zelte mit Decken, kleinen Kochstellen, gespendeter Kleidung, Seifenvorräten, Spielzeuglager... alles zusammengeschoben, was die Flüchtlinge nicht tragen konnten. Nun sitzen sie in ihren neuen Unterkünften. Ja, sie haben ein Dach überm Kopf, der nächste Sturmregen kann ihnen nichts anhaben. In riesigen alten leerstehenden Lagerhallen (in denen der Lärmpegel nienienie abebbt) stehen Zelt an Zelt, was ein Mindestmaß an Intimität zu bieten scheint. Doch wer sich nicht schnell um Beziehungen kümmert, lebt mit drei Familien in einem Großzelt oder muss zusehen, dass er am Rand und ohne Strom im Minizelt ausharrt. Wie lange? Was passiert jetzt? Lehnt sich die EU jetzt boch weiter zurück? Ist die Situation unter Kontrolle? Nein. Das Wasser reicht nicht aus, die Dixiklos werden nicht oft genug sauber gemacht, Stromstellen sind viel zu wenig, das Essen in Plasteschalen - Einheitsbrei für x verschiedene Nationalitäten. Und wie es erst wird, wenn der nächste Winter kommt...

      Der Status der Syrer als Flüchtlinge, der ihnen bessere Aussichten für die Zukunft gewährt, verschärft die Situation unter den Flüchtlingsgruppen. Wie die Arbeit der Hilfsorganisationen weitergehen kann, ist ungewiss, nicht überall werden sie / wir hineingelassen. In den Camps erschreckt mich oft die plötzliche ausufernde Aggressivität von Kindern, die Geschwister oder auch Wildfremde einfach schlagen. Und ich denke, wir züchten uns hier Zeitbomben heran. Wenn wir sie so in Dreck und Elend aufwachsen lassen, werden sie sich bald massiv gegen uns wenden. Nur eine wirklich gute Aufnahme und Versorgung könnte ihnen und uns eine friedliche Zukunft gewähren. Aber das scheint in noch weitere Ferne gerückt zu sein...

      Hilfskonvoi aus Hamburg (Bericht Nadja Frenz):

      Wir fahren am 16. Juni mit einem 3,5 und einem 7,5 t nach Nordgriechenland, wo zigtausende geflüchtete Menschen gestrandet sind, weil die europäische Politik versagt hat und die Grenzen geschlossen sind. Inzwischen ist zwar das große Camp in Idomeni geräumt. Aber die Geflüchteten werden weiterhin in Griechenland aufgehalten - der Bedarf bleibt also und wir sind mit erfahrenen NGO's im Norden des Landes in Kontakt. Bislang möchten wir mitnehmen:
      Sonnenschutzcreme für Kinder und Erwachsene
      Mückenschutz
      Zelte
      Schlafsäcke
      Decken
      Planen
      Solarlichter Spielzeug (kleine Autos, Stifte) Leichtw Schuhe Flipflops
      Unterwäsche Zahnbürsten, Zahnpasta
      Hygieneartikel
      Windeln in allen Größen
      Feuchttücher und Babynahrung für jedes Alter wird auch dringend in den Camps benötigt.

      Die Sach-Spenden könnt Ihr abgeben bei Hanseatic Help e.V. - Kleiderkammer, Große Elbstraße 264, 22767 Hamburg, Abgabezeiten: Do bis Di 10:00 - 20:00 Uhr (Mittwoch Ruhetag)

      Kontonummer für diesen Konvoi
      (Stichwort nicht vergessen !):
      BaSchu e.V.
      IBAN DE50 2007 0024 0320 8329 00
      BIC DEUTDEDBHAM
      Stichwort: Hamburg hilft


      Oder falls Ihr näher dran wohnt und Euch auch noch vor Ort informieren möchtet: Jeden Samstag von 16-19 Uhr haben wir eine mobile Spendenannahme bei den Fahrradcontainern von Westwind an der Rindermarkthalle im Karolinenviertel, Neuer Kamp 31, 20350 Hamburg.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Original von COOLmann
      Eine schwere Zeit wenn ein Mensch geht.
      Ich hoffe Deine Tante hat erkannt, daß man dies
      mit 95 durchaus darf und nach den Gesetzen der
      Biologie leider auch muß.
      :trauer:

      Das hat sie, und das wollte sie auch - am 1.6. hat sie's geschafft.
      Ende des Monats ist dann der endgültige Abschied :kerze1:
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Mein Beileid.....
      Wird die nächste Schwedenreise wohl mit schwerem
      Herzen sein. So eine Termin (Beerdigung) hat immer
      so etwas Entgültiges.
      Mein verstorbener Vater hat mir mal einen guten Sinnspruch
      mitgegeben.
      Wenn Du bei der Beerdigungsfeier in der vorderen Reihe sitzt wird Dir bewußt, bald bist Du selbst dran.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „COOLmann“ ()

      Was Dein Vater gesagt hat, wird mir bei der Lektüre der monatlichen Totengedenkliste im schleswig-holsteinischen Ärzteblatt deutlich, wenn ich anhand der Geburtsdaten der Verstorbenen sehe, dass die Einschläge immer näher kommen.
      Die Trauerfeier wird am 27.6. sein, ich häng noch ein paar Tage Urlaub dran, um auf positivere Gedanken zu kommen.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Nachtrag zum Bieberhaus-Abschied.
      Noch immer ist vollkommen unklar wie es weiter geht. Der Paritätische hat ein paar Räume in Hauptbahnhofsnähe angemietet, ich könnte dort eine Sprechstunde anbieten, fragt sich wer da kommt bzw. hinfindet. Nächste Woche werde ich dort vorsprechen und schauen was machbar ist. Parallel dazu - nicht unbedingt konträr - planen ehemalige ehrenamtliche Helfer ein "Wellcome Center for Refugees" wenn möglich auch in Hauptbahnhofsnähe, einfach auch weil solche Bahnhöfe seit Jahrzehnten Treffpunkte von Migranten sind, das kenne ich schon aus meiner Düsseldorfer Zeit Anfang der Siebziger.
      Und es gibt regelmäßige Treffs der Ehrenamtlichen, der nächste heute auf dem Hansaplatzfest, sowie bei Facebook - ohne meine Fluchthilfetätigkeit wär ich dort nie Mitglied geworden.

      13. Mai - fast alles ist leer ...

      der Aufenthaltsraum ...


      der Tresen der Essensausgabe, inzwischen professionell gestaltet

      und nicht mehr nur aus zusammengestellten roten Plastikkisten bestehend.

      In der KITA ist das meiste schon zusammengeräumt.


      Nur die Kinderkleiderkammer ist noch gut bestückt
      und kann sich auch am letzten Öffnungstag nicht über Besucher(innen)mangel beklagen.



      14. Mai
      Nach der Demo für offene Grenzen gibt's abends ein Grillfest im Stadtpark, zu dem trotz immer wieder einsetzenden Platzregens hunderfünfzig Leute kommen - arabische Grillkultur vom Feinsten.

      27. Mai
      Das endgültige Bieberabschiedsfest in den bereits leeren Räumen. Arabischer und afghanischer Rap in vollster Lautstärke. Feinste orientalische Küche, positiv: Es bleiben keine Reste, negativ: Nicht alle bekommen etwas ab, weil Andrang zu groß. Abschiedsworte der 80jährigen Pari-Vorsitzenden, leider ohne präzise Vorgabe wie weiter, weil das, siehe oben, noch niemand weiss.

      Wer seinen Dienstausausweis
      noch nicht als Andenken mitgenommen hat, kann jetzt in der Kiste wühlen.

      An den Wänden hängen Plakate mit der statistischen Aufarbeitung unserer Arbeit. Danach wurden hier
      Döner für 1000 € ausgegeben,
      342.697 Sandviches geschmiert,
      40.345 Pakete Käse und etwa 10.000 Pakete Zucker verarbeitet,
      2 Millionen Rührstäbchen ausgegeben.
      Wir bedanken uns für
      40.500 Kinderklamotten,
      8.100 Paar Schuhe,
      90 Tonnen sonstige Kleidung,
      247 Kinderwagen,
      27.000 Windeln plus Popocreme.
      Es wurden etwa 10.000 Meter Klebeband verklebt
      und Bahnfahrten für 7.872.260 Kilometer vermittelt,
      vorwiegend nach Rostock, Lübeck, Flensburg, Kiel und Harburg
      (aber auch mal nach Traunstein für 7 Personen),
      was der Deutschen Bahn etwa 40.000 € Umsatz einbrachte.



      ... und sprachliche Weiterbildung.

      Die arabischen Schriftzeichen werden Tashakor (dari/farsi) und Shukran (arabisch) ausgesprochen.

      Und last not least
      wollen wir weitermachen mit unserer Arbeit, und ich auch mit meinem Containertagebuch.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -