Seit zwei Wochen hab ich im Rahmen der Flüchtlingsversorgung einen neuen Job.
In einer Schule von "Alraune" in Hamburg-Dulsberg werden Vorbereitungskurse für die BAMF-Integrationskurse abgehalten, vor allem Deutschkurse. Die meisten Teilnehmer sind Eritreer, die in den nebenan auf dem Schulhof gestellten Containern wohnen. Mir wurde von einer dort tätigen ehemaligen Bieberhaus-Mitarbeiterin gesagt, dass die meist jungen Leute zwar AOK-Versicherungskarten hätten, aber nichts damit anzufangen wüssten. So langsam fange ich auch an zu verstehen warum.
Meine zweistündige Sprechstunde findet montags in einem Unterrichtsraum statt, in den man eine Untersuchungsliege gestellt hat. Die übrigen Utensilien - Stethoskop, Blutdruck- und Zuckermessgerät, Urinteststreifen und Protokollbuch - bringe ich im Rucksack mit. Die Patienten, fast nur junge Männer, warten vor dem mit Stellwänden von der Aula abgetrennten "Sprechzimmer". Mit dabei sind zweitweise eine Mitarbeiterin der Einrichtung und, unerlässlich, eine Dolmetscherin. Denn wenn ich inzwischen auf Arabisch und Farsi/Dari (Afghanen) die Leute wenigstens begrüßen kann und sagen, wer ich bin, und noch ein paar nützliche Sachen,

verstehe ich von der in Eritrea gesprochenen Sprache Tigrinya bisher absolut garnichts.
Ein Patient hat zum Beispiel seit vielen Jahren Atembeschwerden. Auf der Lunge höre ich nichts, dafür hat er Narben am ganzen Körper, die zum Teil Zigarettenbrandnarben ähneln, wie ich sie bei von der türkischen Sonderpolizei gefolterten Kurden kenne, oder Striemen wie von Peitschennarben, die ich gelegentlich bei Taliban-Opfern gesehen habe.
"Nein," sagt die Dolmetscherin, "er ist nicht gefoltert worden, das waren traditionelle Heiler in der Heimat, die ihm so die Krankheit austreiben wollten."
Ich untersuche die Leute und gebe ihnen Empfehlungen für Haus- oder Facharzt. Da sie ohne Dolmetscherin dort nichts ausrichten können und eine Sammelsprechstunde bei einem Hausarzt, der die Patienten noch gar nicht kennt, schwer zu organisieren ist, werden einige demnächst in Begleitung eine Rundreise durch Hamburg nach Norderstedt antreten - die Linie U1 gleicht einem U (deshalb heisst sie U-Bahn), und Dulsberg liegt fast am rechten Zipfel und Norderstedt am rechten. Dann gibt's eine Eritreer-Sprechstunde in meiner ehemaligen Praxis, in der ich als angestellter Teilzeitrentner noch gelegentlich tätig bin.
In einer Schule von "Alraune" in Hamburg-Dulsberg werden Vorbereitungskurse für die BAMF-Integrationskurse abgehalten, vor allem Deutschkurse. Die meisten Teilnehmer sind Eritreer, die in den nebenan auf dem Schulhof gestellten Containern wohnen. Mir wurde von einer dort tätigen ehemaligen Bieberhaus-Mitarbeiterin gesagt, dass die meist jungen Leute zwar AOK-Versicherungskarten hätten, aber nichts damit anzufangen wüssten. So langsam fange ich auch an zu verstehen warum.
Meine zweistündige Sprechstunde findet montags in einem Unterrichtsraum statt, in den man eine Untersuchungsliege gestellt hat. Die übrigen Utensilien - Stethoskop, Blutdruck- und Zuckermessgerät, Urinteststreifen und Protokollbuch - bringe ich im Rucksack mit. Die Patienten, fast nur junge Männer, warten vor dem mit Stellwänden von der Aula abgetrennten "Sprechzimmer". Mit dabei sind zweitweise eine Mitarbeiterin der Einrichtung und, unerlässlich, eine Dolmetscherin. Denn wenn ich inzwischen auf Arabisch und Farsi/Dari (Afghanen) die Leute wenigstens begrüßen kann und sagen, wer ich bin, und noch ein paar nützliche Sachen,

verstehe ich von der in Eritrea gesprochenen Sprache Tigrinya bisher absolut garnichts.
Ein Patient hat zum Beispiel seit vielen Jahren Atembeschwerden. Auf der Lunge höre ich nichts, dafür hat er Narben am ganzen Körper, die zum Teil Zigarettenbrandnarben ähneln, wie ich sie bei von der türkischen Sonderpolizei gefolterten Kurden kenne, oder Striemen wie von Peitschennarben, die ich gelegentlich bei Taliban-Opfern gesehen habe.
"Nein," sagt die Dolmetscherin, "er ist nicht gefoltert worden, das waren traditionelle Heiler in der Heimat, die ihm so die Krankheit austreiben wollten."
Ich untersuche die Leute und gebe ihnen Empfehlungen für Haus- oder Facharzt. Da sie ohne Dolmetscherin dort nichts ausrichten können und eine Sammelsprechstunde bei einem Hausarzt, der die Patienten noch gar nicht kennt, schwer zu organisieren ist, werden einige demnächst in Begleitung eine Rundreise durch Hamburg nach Norderstedt antreten - die Linie U1 gleicht einem U (deshalb heisst sie U-Bahn), und Dulsberg liegt fast am rechten Zipfel und Norderstedt am rechten. Dann gibt's eine Eritreer-Sprechstunde in meiner ehemaligen Praxis, in der ich als angestellter Teilzeitrentner noch gelegentlich tätig bin.

















ist das modisch gewollt (muss man auch erstmal wissen).

