Fluechtlingsbetreuung/Containertagebuch

      Wenn es die Migranten doch bis nach Deutschland
      geschafft haben wollen sie nicht die Zeit bis zur
      Rückkehr in ihre angestammte Heimat überbrücken,
      sondern sie sind gekommen um zu bleiben. Nur in
      den seltensten Fällen ist das aber eine begründbare
      Entscheidung....außer man benutzt das Wort "Wirtschafts-
      flüchtling".
      Im positiven Fall können sie bleiben und schaffen sich ein
      akzeptables Lebensumfeld. Doch wohin führt das?
      Folgender Artikel legt den Finger in die Wunde:
      focus.de/regional/berlin/berli…echtlinge_id_5454508.html
      Ein Syrer, der jetzt in Berlin-Neuköln wohnt, sagt zur Sonnenalle:
      "Hier fühle ich mich wie in Damaskus."
      Schön für ihn. :icon_thumbsup:
      Doch was ist, wenn die alteingesessenen deutschen Bewohner das gleiche sagen?
      Dann ist die Kapitulation vor der fremden Kultur nicht mehr weit. :icon_thumbdown:
      Ergebnisse kann man in amerikanischen Großstätten aber auch in London, Paris oder
      Amsterdam sehen. Dort sind es Migranten aus verschiedenen Ländern (China, Kuba,
      Lateinamerika, Indien, Libanon, Nordafrika uvm.) Und jede Gruppe hat ihr eigenes
      abgeschottetes "Damaskus", in dem mitunter auch eigene Normen und Gesetze gelten.
      Ist die Anzahl einer Volksgruppe in einem Gebiet groß genug ist diese Entwicklung fast
      gesetzmäßig. Zumindest war es bisher immer so. Also ist es jetzt ein guter Zeitpunkt
      über neue Integrationstrategien nachzudenken.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Ein türkisch-deutscher Kabarettist bringt es auf den Punkt.
      Die ganzen Jahre der Integration haben aus der Mehrzahl
      der türkischen Migranten keine "Deutsche mit türkischen
      Wurzeln" gemacht sondern "Türken in Deutschland". Und
      sie vertreten das türkische Nationalverständnis in Deutschland.
      Fazit: Wenn die Integration dieser Gruppe schon nicht ordentlich
      gelingt, was soll dann mit den ganzen anderen werden?
      Ein "weiter wie bisher" führt dabei ins Desaster wie im obigen
      Beitrag angedeutet.
      focus.de/politik/deutschland/d…s-freunde_id_5461861.html
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Ein Syrer, der jetzt in Berlin-Neuköln wohnt, sagt zur Sonnenalle:
      "Hier fühle ich mich wie in Damaskus."
      Schön für ihn.
      Doch was ist, wenn die alteingesessenen deutschen Bewohner das gleiche sagen?
      Dann ist die Kapitulation vor der fremden Kultur nicht mehr weit.
      Ergebnisse kann man in amerikanischen Großstätten aber auch in London, Paris oder Amsterdam sehen. Dort sind es Migranten aus verschiedenen Ländern (China, Kuba, Lateinamerika, Indien, Libanon, Nordafrika uvm.) Und jede Gruppe hat ihr eigenes abgeschottetes "Damaskus"

      Und wenn ?
      Dieses Damaskus ist ja nicht abgeschottenet, sondern man, auch als Einheimischer, rein und raus wie man will, ohne Pass oder Visum, und ohne einen Flug bezahlen zu müssen, oder im Fall des aktuellen Damaskus, ohne dass man eine Bombe auf den Kopf bekommt.
      Ich finde, das ist eine Bereicherung.

      In Mörfelden bei Frankfurt/Main, wo ich Mitte der 80er lebte, gab es im Zentrum ein Restaurant "Goldener Apfel".
      Im Hinterhof hatten die eine Kellerbar, in der abends fast ausschliesslich Türken und Italiener verkehrten, Ich ging da am Wochenende oft hin und trank meinen Absacker. Je nach Tresenbesetzung bestellte ich mein Bier auf türkisch oder italienisch, hätte es natürlich auch auf deutsch machen können. Ich fühlte mich vollkommen wohl dort.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Dieses multi-kulti Gefühl kenne ich noch aus meiner
      Studentenzeit. und finde es angenehm. Doch es ist ein
      Unterschied ob es "Inseln" sind, die man bei Bedarf
      aufsucht oder ob das ganze Lebensumfeld davon
      überrannt wird. Es fängt schon damit an das in manchen
      Stadtteilen Eltern eine Grundschule für ihre Kinder suchen
      müssen, in der auch zwischen den Unterrichtsstunden
      Deutsch gesprochen wird. Anders ist eine ordentliche
      Ausformung der "Muttersprache" nicht möglich.
      Sonst haben die Kinder später im Vorstellungsgespräch
      mangelnde Deutschkenntnisse..."Kanack-Prack".
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Aufgrund der menschenverachtenden Abschottungspolitik der EU schaffen es derzeit nur noch Wenige nach Deutschland bzw. ins Bieberhaus nach Hamburg. Ganz arbeitslos sind wir nicht, nachdem immer noch einzelne aus den Camps ("Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung", kurz ZEA, davon gibt's inzwischen knapp 20 in Hamburg) zu uns kommen, um auf einem kürzeren Weg als dort etwas über ihre Angehörigen zu erfahren, die entweder schon in Skandinavien sind oder noch in Griechenland festhängen. Oder die versuchen, bei uns medizinische Hilfe für ein Problem zu bekommen, was die Ärzteteams dort nicht lösen können. Im Regelfall können wir das zwar auch nicht, aber ich habe den Eindruck, die Leute fühlen sich ernst genommen, und das ist schon die halbe Therapie. Damit will ich nicht sagen, die Kolleg/inn/en in den Camps nähmen die Leute nicht ernst, das tun sie sicher, aber sie haben bürokratische Vorgaben, und die hab ich nicht.

      Zu der 18jährigen Aisha und ihren Fehlgeburten (aus Tagebuch 27a) bleibt nachzutragen, dass ihre Blutwerte in Ordnung waren, und dass es zwischen ihr und ihrem Mann auch keine Blutgruppenunverträglichkeiten gibt. Hätten sie das über ein Camp zu klären versucht, wär das ein längerer Angang geworden, evtl. überhaupt nicht möglich, da ja kein Notfall.

      Im Bieberhaus wird fieberhaft darüber nachgedacht, wie wir die Einrichtung trotz der kaum noch ankommenden Transitflüchtlinge weiter nutzen können, einschliesslich eines Konzepts, das auch nach einem Unzug in neue, kleinere Räume umsetzbar ist, wenn der Bieberhaus-Mietvertrag zum 31.8. ausgelaufen ist. Die Notkleiderkammer für Erwachsene schliesst schon zum 30.4., der Restbestand kommt in die weiter laufende Kinderkleiderkammer oder in die Annahmestelle Großen Elbstraße 264.



      Besucher grübeln manchmal über den Piktogrammen, die Toilettenbenutzung betreffend. Vor allem in unseren Anfangszeiten war das durchaus ein Problem. Schliesslich kommen viele unserer Klienten vom Land und kannten Toiletten unserer Art bisher nicht. Und unterwegs musste es auch eher in die Büsche gehen. Im Hauptbahnhof hatte die Bahn an Gleis 14 eine Toilette zur Gratisbenutzung frei gegeben, die war dann ständig verstopft; wir Helfer hatten das Privileg, die Gästetoilette der Bäckerei Junge im Bieberhaus aufsuchen zu dürfen, wo ich zu Container-Zeiten auch Patientinnen zwecks Urinuntersuchung mit hinnahm.



      Kostenintensive Neuinstallationen wie die Sitz-Hock-Kombination einer "Multikulti-Toilette" können wir uns hier nicht leisten; so müssen wir hinnehmen, dass die Toilettenbrillen immer wieder aus der Verankerung gerissen werden, weil man darauf schlecht hocken kann - auf dem Porzellanbecken geht das etwas besser. Umgekehrt hat dann jemand wie ich, dem die Hockposition Knieschmerzen bereitet, das kalte Becken unterm Sitzorgan.
      Inzwischen gibt es den unausgesprochenen Kompromiss, dass die Klobrille zwischen Wand und Papierkorb lehnt und bei Bedarf auf die Toilette gelegt werden kann. Vor Anwendung der Klobürste legt man den Deckel, damit er nicht im Weg herumklappert, wieder an den alten Platz.




      Solang nicht doch noch ein - meist hustender - Patient vorbei kommt, sind wir jetzt damit beschäftigt, Medikamente und Hilfsmittel umzusortieren, wenn man sie in Idomeni besser gebrauchen kann als bei uns. Auch von unserem Team möchten einige lieber dort helfen, weil da einfach mehr Bedarf ist. Ich selber werde hier weitermachen, schon weil ich in meinen alten Praxiszeiten nach einer vollen Montagsvormittagssprechstunde am Ende meiner Kräfte war - und was dort auf mich zukäme, ist eine ganze Nummer größer.
      So sichte ich hier die Kartons mit gespendeten Medikamenten, sortiere aus, was ich für unbrauchbar halte - zwei Tabletten Viagra helfen dort nicht wirklich weiter - oder bei denen das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Streng genommen könnte man davon noch einiges weiter verwenden, aber die Menschen an den EU-Aussengrenzen sollen nicht das Gefühl bekommen, wir missbrauchten sie als Müllkippe.

      Zwischendrin trommle ich selber als Sammler, jetzt zum Beispiel wurde Stoma-Versorgungungsmaterial für einen Querschnittgelähmten mit künstlichem Darmausgang gebraucht - zum Glück ist es inzwischen nach endlosen Telefonaten gelungen, den jungen Mann aus einem winzigen Zelt an der mazedonischen Grenze in eine Schweizer Klinik verlegen zu lassen, Sonst wäre er in absehbarer Zeit an seinen vielen infizierten Druckstellen gestorben.
      Mehr dazu in einem Bericht von Volunteers for Humanitiy:
      Hallo Ihr Lieben !
      Viele fragen sich wie es unserem Sorgenkind geht. Nun, jetzt ist er in Sicherheit. Nachdem Matthias Keller die SPZ zum Committment bewegen, sowie unserem Freund alle erdenkliche Hilfe zukommen liess und meine Wenigkeit die Rega sowie die ganze Visumsgeschichte zum Abschluss bringen konnte, durfte unser Freund heute um 12.14 einen ersten Blick auf die Schweizer Alpen in der Rega erhaschen. Danach gings bei noch angenehmen Wetter ohne Regen ins SPZ. Dort angekommen, wurde er als erstes in ein Inkubinatszimmer gebracht. Dort wird er die naechsten 4 Tage verbringen, bis man weiss, dass keine Bakterien oder Viren gefunden wurden.

      Mit Bann, einer Irakerin und Arbeitskollegin von Rita Blaser (danke Rita) haben wir so dann, mit Bann als herrausragender Dolmetscherin, im IPS darauf gewartet unseren Freund zu sehen. Mit gruenen Kitteln, Mundschutz und Handschuhen wurden wir kurze Zeit spaeter zu dem Patienten gebracht. Ich hatte Traenen in den Augen. Dort lag er. Unsere schlaflosen Naechte waren wie weg. Ein Strahlen erhellte sein Gesicht, als Bann anfing auf arabisch mit ihm zu sprechen. Innert 30 Minuten konnten wir alle medizinischen Fragen klaeren und beantworten danach haben wir ihm noch gesagt, dass wir bereits dran sind, seine geliebte Familie ebenfalls asap zu holen. Leider durften wir keine Fotos machen und auch die neue Schweizer Swatch, durfte ich ihm nicht ueberreichen. Aber das kommt noch.

      Ich bin so gluecklich und so muessen sich Matthias Keller, Joost Rot und Matthias Wiedenlübbert fuehlen. Was wir innert 6 Tagen erreicht haben, gab es vorher noch nie. Noch nie konnte eine private Non-NGO sowas durchsetzen. Ich fasse es noch gar nicht. Bis unser Freund den offiziellen Fluechtlingsstatus erreicht hat, zeichne ich offiziell fuer ihn verantwortlich. Er hat sehr wenig Kleider, eine Muetze und ein altes Handy. Bitte besucht ihn (Empfehlung, zuerst kurz absprechen da er viele OP's vor sich hat) und bringt ihm was immer Euch Freude macht zu schenken. Unser Freund freut sich ueber alles, er hat nichts. Bitte drueckt die Daumen, dass wir auch den Rest der Familie so rasch wie moeglich holen koennen. Denn nur dann ist das Glueck perfekt. Fuer mich ist das heute der gluecklichste Augenblick seit langem !

      Quelle: facebook.com/groups/642195529253534/
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Jetzt mal ein unmedizinischer Bericht aus Idomeni, den ich - in Teilen - mit Genehmigung des Autors, des Mannheimer Rechtsanwalts Jörg Schmidt-Rohr und seiner beiden 14jährigen Söhne aus der Heidelberger "Stadt-Redaktion" entnommen habe, und die in der Osterwoche vor Ort waren.
      Den ganzen Artikel findet Ihr hier:
      die-stadtredaktion.de/2016/04/…ent-page-1/#comment-71708
      ( ... ) Die Einreise nach Griechenland war unproblematisch. Direkt nach der Grenze und ca. 5 km neben dem offiziellen Autobahnübergang liegt das inzwischen „berühmte „ Flüchtlingslager auf dem Gelände des Grenzbahnhofes beim kleinen 200 Einwohner Dorf Idomeni. Wir machten einen ganz kurzer Abstecher Richtung Lager, eine winzige Landstraße ins Nirgendwo. Auf einmal viele Menschen auf der Straße, eine große Fläche voller kleiner Backpacker Zelte, umgeben von viel Müll und staubigen Äckern, 2-3 Polizeiautos und dann in der Ferne die riesigen Zelte und den Stacheldraht der Grenze.

      Für mein europäisches Auge und aus der Ferne sieht es aus wie ein großes Festivalgelände oder ein Friedenscamp vor 30 Jahren oder etwas ähnliches. Das Elend und die über dem Lager liegende Unruhe und Verzweiflung sieht man vom Rande aus erst mal nicht.

      Wir fahren, da es schon später Nachmittag ist, weiter ins 15 km entfernte Polikastro, den nächsten größeren Marktflecken und dort zum Parkhotel. Das Hotel, das hatte ich vorher im Internet und vor allem auf facebook gelesen, ist eine wichtige Infoquelle und die Logistik- und Organisationszentrale der „volunteers“.Quasi ihr „Wohnzimmer“. Gewohnt wird in leerstehenden Häusern in der Umgebung, kleinen Hotels und Pensionen in der Nähe oder in angemieteten Häusern und Appartements. In diesem Sinne und auch ansonsten ist das Lager für diese ansonsten wirtschaftlich „tote„ Ecke Griechenlands ein echtes Konjunkturprogramm.
      Wir schlagen unser Zelt im Garten des Hotels auf.

      Neben den gut organisierten NGOs wie MSF (Medicines sans frontieres); Save the children oder auch dem UNHCR gibt es viele kleine Gruppen und Organisationen aus ganz Europa, die vor Ort arbeiten. Daneben gibt es einen fließenden Übergang zu nicht irgendwo angebunden volunteers, auch einzelne oder kleine Gruppen die -wie wir- nach Idomeni kommen, um irgendwie zu helfen.

      Es sind pro Tag ca 2-300 Menschen in und um das Lager aktiv in der Versorgung, der Hilfe und der Schaffung von Hilfestrukturen. Es sind sehr unterschiedliche Menschen allen Alters, aus allen Ländern und den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Gutsituierte deutsche Rentner, spanische Studenten, italienische Aktivisten, Amerikaner, Norweger und Palästinenser. Auch Menschen, welche seit Monaten unterwegs sind oder die Hilfe zur „Berufung“ gemacht haben, in Lesbos, im Dschungel bei Calais oder sonst wo schon aktiv waren. Oder zeitweise ausgestiegen sind und Geld sammeln, immer wieder vor Ort sind oder irgendwo in Europa Flüchtlingsinitiativen gegründet haben. Viele nette und spannende Menschen, mit denen man schnell eine Ebene findet, alle getragen von dem gemeinsamen Willen – wir machen was und wir sind die Guten.

      Manche sind nur ein paar Tage da, andere Monate.
      Gesprochen wird englisch und es kann passieren dass man mit 3 deutsch sprechenden Menschen zusammensteht und immer noch englisch spricht… Hannes, einer meiner Söhne, meinte er hätte in der Woche wirklich viel Englisch gelernt.

      Das Ganze bedingt einen laufenden, extrem dynamischen und durch eine laufende Kommunikation geprägten hochkomplexen Organisationsprozeß.
      So gibt es feste Projekte und Projektgruppen, Einführungsabende für die neuen, eine Organisationsbüro im Park Hotel, eine Whats APP Chat Plattform mit ca. 200 ständige Mitglieder. Täglich kommen ca. 20 dazu und 20 scheiden aus.

      Beispielsweise gibt es eine „warehouse“ in dem täglich Unmenge Klamotten sortiert werden, die dann wieder an Gruppen gegeben werden, die sie im Lager ausgeben. Eine „tent group“, die nachts ankommende Flüchtlinge sofort mit Campingzelten, versorgt und verschiedene Teezelte, Kinderspielzelte betreibt. Und natürlich auch Gruppen, die die Essenversorgung sicherstellen. Auch die Essensgruppen selbst sind wieder gut vernetzt und organisieren z.B. einen gemeinsamen Einkauf.

      Der griechische Staat ist bis auf ein paar Polizisten, welche den Grenzübergang sichern und den Verkehr kontrollieren nicht präsent und versorgt auch die ca 10.000 Flüchtlinge (ich glaube eine genaue Zahl weiß keiner) überhaupt nicht. ( ... )

      Die humanitären Hilfe
      Es gibt 4-5 größere Essensversorgungsstrukturen, UNHCR, eine arabisch/britisch finanzierte Stiftung und die „reinen“ volunteer Strukturen. (Aid Delivery Mission, Hummus Rights Projekt, Hot kitchen, Banana group- die ersten zwei findet man auf facebook mit einer ausführlicheren Darstellung).

      Wir drei, also ich und meine beiden Söhne, hatte im Vorfeld unserer Aktion keinen Gruppenanschluss gehabt. Wir waren auch nur 1 Woche in Idoumeni. Deshalb haben wir uns beim Hummus Rights Projekt eingeklinkt. Das hieß täglich von 16 bis 21 Uhr an der Herstellung von 3000 Wraps mitwirken und Tüten packen und dann am morgen von 10 Uhr -12 Uhr diese dann an ca 2.000 Menschen verteilen.

      Ein Wrap besteht aus 2 Teigfladen, Öl, Hummus (Kichererbsenbrei) und Gurken und Kartoffelstücken. In einer angemietete Bar mitten in Polikastro produzierten täglich ca 15 bis 20 Menschen in Fließbandarbeit diese mehreren tausend Wraps. Ein Wrap, ein hartgekochtes Ei, ein kleines Wasser und ein Apfel und eine Orange waren der Inhalt einer Tüte, die es pro Person gab.

      Die Verteilung war eine komplexe Prozedur. Zwei lange Schlangen- Männer und Frauen getrennt, ein Ausgabetisch und viele viele Helfer, Flüchtlinge und volunteers, welche die Schlangen organisierten.

      Wenn mindestens 5-800 Menschen laufend in jeder Schlange standen , versuchen sich natürlich viele vorzudrängeln, schicken die kleinen Kinder vor, liehen sich Kinder die dazwischen reinschlüpften damit es mehrere Tüten gibt… und es hat nie für alle gereicht. Und so ganz gerecht bekam man es auch nicht hin und dann gab es manchmal auch Aggressionen und Geschrei unter den Flüchtlingen, Verbundenheit der Volksgruppen und Familien und ein Verdrängen anderer.

      Dann die Sprachbarrieren. Da war viel „Ordnungsdienst“ angesagt, obwohl man doch eigentlich nur eine Verteilung organisieren will. Aber die riesige Zahl, die z.T. deutlich psychisch angeschlagenen und oft erkennbar traumatisierten Menschen, die vielen Kinder mit Kriegs und Straßen und Überlebenskampferfahrung, das ist eine schwierige Mischung. ( ... )

      Ein Fazit der Reise
      Es waren gute, sinnvolle Osterferien. Allen Unkenrufen zum Trotz braucht man weder besonders viel Mut, sich auf eine solche Hilfsaktion einzulassen, noch ist es was ganz Tolles. Es war ganz einfach hinzufahren und sich mit einem sinnvollen Tun einzuklinken in vorhandene Strukturen. Und es ist auch ein bisschen beruhigend, dass so viele Menschen gibt, die was tun und dafür Zeit und Geld investieren. Zivilgesellschaft funktioniert punktuell doch, wenn Staaten versagen.

      Die Situation im Lager ist sozial und gesundheitlich nicht einfach und ohne die Essensprojekte müssten auch sicher Menschen hungern. Die Flüchtenden sind erst mal aus Situationen, in denen Ihnen Bomben auf die Köpfe fallen und sie ständig um ihr Leben fürchten müssen, raus. Aber das ist auch alles.

      Das Bedrückendste ist die Ungewissheit, die völlig unklare Perspektive, das monatelange „Warten“ – auf was eigentlich – im Niemandsland des griechischen Nordens vor einem Zaun. Dazu kommt, dass Familienmitglieder vielleicht schon in Mitteleuropa sind – da kommt man nicht hin – und andere noch in der Türkei oder in einem Bürgerkriegsland – die bekommt man nicht raus.

      Und die politische Geiselhaft in der die Menschen sitzen, denn die EU muss ja beweisen, dass die Balkanroute dicht ist. Und da nützt auch die ganze Berichterstattung und die dramatischen Bilder in den Medien wenig. Es ist immer auch ein kleines bisschen Solidarität, einfach da zu sein, was kleines Praktisches zu helfen. Das ist ein Wert.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Endlich mal ein realer Bericht aus den Internierungslagern
      am Rande der EU. Nachvollziehbarer als die plakativen
      "Schockbilder" der Leitmedien aber auch klarer als die
      weichgezeichneten Situationsberichte der offiziellen
      Regierungsverantwortlichen von hier und dort. Danke
      für das Einstellen des Berichtes. :dankedaumen:
      PS: Nur gut das er nicht über die Türkei eingereist ist.
      Nach jüngsten Berichten wird allen "potentiellen"
      Querulanten (ungeliebte Berichterstatter) die Einreise in
      die Flüchtlingsgebiete verweigert.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „COOLmann“ ()

      Original von COOLmann
      Nur gut das er nicht über die Türkei eingereist ist.

      Dankschön für die :blreich:

      Der Autor ist im Flüchtlingsrat aktiv - der weiss, wo er sich bewegen kann und wo besser nicht :floet1:
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Den Umstand ausnützend, dass dank Facebook (ja, ich bin jetzt auch dabei ...) sich die Kunde von meinem Geburtstag am 29.4. im Bieberhaus verbreitet hat, hab ich zwei Tage ganz gesetzestreu bei der örtlichen Polizei eine Demo angemeldet für diesen Tag 14 Uhr vor dem Bieberhaus mit dem Thema "Offene Grenzen" und meine FB-Flüchtlingshilfegruppen zur Teilnahme aufgefordert - Geburtstagsdemo sozusagen.



      Also es waren schon ein paar mehr da, 30-40 Leute ungefähr, für eine Standkundgebung hat's gereicht, Lautsprecheranlage hatten wir nicht, und lauter als ein Megaphon bin ich locker. Hab dann, von Sprechchören unterbrochen: "MACHT DIE GRENZEN AUF !" meine Wut rausgelassen über die Politiker, die die Menschen die bei uns einreisen wollen und Schutz suchen wie Dreck behandeln und die Dumpfbacken, die sie wählen. ein paar Mitstreiter/innen suffliertem mir.
      Nach 25 Minuten war ich heiser, und mir fiel auch nix mehr ein, was ich nicht schon gesagt, besser gebrüllt hatte, dann beendete ich die Kundgebung und bedankte mich bei allen, die da waren, inclusive der Polizei (ein Mann und eine Frau, sehr freundlich).

      Später mehr, wenn mein nächstes Containertagebuch fertig ist. Aber jetzt scheint die Sonne - ich muss raus.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      grizzly, Du Schlingel!!!!
      Haste wieder heimlich gemacht und ich hab Deinen
      Geburtstag verpaßt. :oops:
      Also deshalb noch schnell "nachträglich" die besten
      Wünsche für Dich im neuen Lebensjahr mit einem Ständchen.
      :chor:
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      :dankverbeug:

      Und jetzt die Langversion von meinem Geburtstag:

      29.4.2016

      Mit einem lachenden und einem weinenden Auge komm ich ins Bieberhaus. Mit einem weinenden, weil unsere Tagesaufenthaltsstätte zum 15. Mai schliesst, da die Stadt nach der verantwortungslosen Grenzschliessung der EU-Politiker mangels Transitflüchtlingen in Hamburg keinen Bedarf sieht und nix mehr zahlt. Es wird eine irgendwie geartete Ersatzeinrichtung in Bahnhofsnähe geben, evtl. ab 1. Juni, der Paritätische hat sie angemietet, d.h. irgendwas zu tun wird es auch für mich wieder geben, aber so klar ist das alles noch nicht. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung um Haus, zumal deutlich weniger Leute da sind.

      Das lachende Auge sieht meinen 66. Geburtstag, was sich herumgesprochen hat. Die KITA hat mich im Vorfeld schon eingeladen, Geburtstage sind dort ein Highlight, auch für die Kinder die sowas bisher nicht kannten.
      Und auch die Arztzimmertür ist geschmückt:

      Zwei hustende Kinder versorgt, dann mach ich kurz zu und geh in die KITA, da gibts Frühstück


      Das in der Schüssel ist Couscoussalat

      und einen kleinen Geburtstagstisch.


      Kerzen dürfen aufgrund der Brandgefahr nicht angezündet werden, da gibts schon aus pädagogischen Gründen auch für den Doc keine Ausnahme. Und schon springen die Kinder wieder vom Tisch auf und wuseln herum, bis auf die zwei, die mit Fieber schlafend in der Ecke liegen. Mit einer Mutter, die so jung ist, dass ich sie erst für die große Schwester gehalten habe, komm ich ins Gespräch - sie ist im Gegensatz zu den arabisch Sprechenden und Afghaninnen aus Tschetschenien, weshalb mein Bröselrussisch zum Einsatz kommt.

      Als ich in das Arztzimmer zurück gehe, kommt sie mit ihrer dreijährigen Tochter mit und erklärt, das Kind habe "Glisti". Bis ich das nachgegoogelt hab, hat sie ihr Handy rausgekramt und mich anhand des Toilettenphotos von der selbst gestellten Diagnose überzeugt: Spulwürmer. Das passende Medikament haben wir nicht da, aber sie hat ein bissl Geld und kann das Privatrezept in der Apotheke einlösen; ich muss mich nur noch vergewissen, ob Vermox auch für Kleinkinder geeignet ist, weil das in der Roten Liste so nicht drin steht. Aber es geht, sagt die Apothekerin.

      Weil wir grad bei den Toiletten sind: Irgendjemand hat wohl mein letztes Tagebuch gelesen und gemeint, es geht auch ohne Klobrillen, beziehungsweise er könne die besser brauchen. Jedenfalls sind sie jetzt weg und wir sitzen auf dem kalten Porzellan.

      Immerhin haben meine afghanische Dolmetscherin und ich heute elf Patienten versorgt und nebenher für Idomeni gepackt. Joost ist kurz auf Heimaturlaub und fährt nächste Woche, von einigen Mitbiebern, wieder hin.



      Und heute gibt's nach dem Dienst noch eine Extra-Aktion. Ich hab meinen Mitbiebern mündlich und über Facebook (ja, inzwischen bin ich auch dort ...) gesagt, dass ich als Geburtstagsgeschenk eine Demo möchte. Vor dem Bieberhaus und für offene Grenzen, natürlich. Zwei Tage zuvor hatte ich, ganz gesetzestreu, schon bei der örtlichen Polizei eine Kundgebung angemeldet.



      Dreissig bis vierzig Leute waren da (hier sind nicht alle drauf), für eine Standkundgebung hat's gereicht, Lautsprecheranlage hatten wir nicht, und lauter als ein Megaphon bin ich locker.
      Hab, von Sprechchören "MACHT DIE GRENZEN AUF !" unterbrochen, meine Wut rausgebrüllt über die Politiker, die die Menschen die bei uns einreisen wollen und Schutz suchen wie Dreck behandeln, und über die rassistischen Dumpfbacken die sie wählen, wie jetzt in Österreich..
      Dass sie lieber mit Massenmördern paktieren anstatt die Geflüchteten ins Land zu lassen.
      Dass dort, wo die Menschen herkommen, Krieg ist, auch wenn Herr de Maiziere meint, Afghanistan sei sicher, von dort müsse man nicht fliehen - er lügt. In 31 von 34 Provinzen ist dort Krieg, er selber musste bei seinem Staatsbesuch am 1. Februar selbst für kurze Wege den Hubschrauber nehmen, und wenige Kilometer von seinem Aufenthaltsort entfernt explodierte eine Bombe, die zwanzig Menschen in den Tod riss.

      Zwei Mitstreiter/innen soufflierten mir, wenn ich nicht mehr weiter wusste..
      Nach 25 Minuten war ich heiser, und mir fiel auch nix mehr ein, was ich nicht schon gesagt hatte, so beendete ich die Kundgebung und bedankte mich bei allen, die da waren, inclusive des Polizistenpärchens, die mir gratulierten und viel Glück für meine weitere Arbeit wünschten.
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      - Kurt Tucholsky -
      Heut Vormittag ging's wieder los, Joost mit 3 Bieberaktivisten verstärkt , nach Idomeni:
      Es wurden Fahrzeuge repariert, ein Wohnwagen gekauft, Handys organisiert, Kabel zum laden und Daten sichern angeschafft, ein Tablett mitgegeben, Reifen erneuert, Die Spur neu eingestellt, ca, eine Million Telefonate geführt.

      Alles "nur" um Euch heute zu schreiben, dass es wieder los geht. In diesem Moment begibt sich ein zweiter kleiner Hilfskonvoi auf den Weg ins Camp nach Idomeni. Mit an Bord, drei !!! höchst motivierte Menschen die mit Joost Rot zusammen vor Ort agieren werden, darüber hinaus wird es eine Kooperation mit einem weiterem Team aus Österreich geben. Auf den Wagen ist sozusagen eine mobile Klinik, Medikamente im wert von mehreren tausend Euro, Windeln, Sonnencreme, Schuhe, Baby Nahrung, Hygieneartikel und und und.... zusammen mehrere Tonnen Hilfsgüter.

      Dies alles ist möglich durch Euch und Eure Unterstützung, dafür sagen wir/sage ich einmal herzlich danke.

      Leider muss ich Euch auch bitten nicht nachzulassen, denn die Welt scheint die Menschen in Idomeni und anderen Camps einfach vergessen zu haben! Lasst es nicht zu, dass dieses Elend nicht beachtet wird, seit Laut da wo es sich lohnt, seit leise wenn es still werden sollte, gebt was ihr über habt und zeigt, dass es ein anderes Europa gibt.

      Quelle: facebook.com/alexander.ottavio/posts/10204869062246323
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      - Kurt Tucholsky -
      :ob:
      Am Dienstag (3.5.) Abend fand ich in meiner ehemaligen Praxis einen Rollator vor, bepackt mit einem großem Paket Inkontinenzeinlagen und anderem brauchbaren Pflegematerial aus einem Nachlass. Normalerweise hätte ich das gute Stürck anderntags in die U-Bahn geschoben und ins Bieberhaus gebracht. Aber ich wusste, dass ein Idomeni-Transport unmittelbar bevorsteht, schliesslich hatte Ronald die im Arztzimmer gestapelten Sachen heut Dienstagfrüh eingeladen, und eine erneute Anfahrt in die Hamburger Innenstadt ist Quälkram, noch dazu mit einem sperrigen Transporter.

      Ronald angerufen - er ist grad in Eidelstedt und will gleich nach Neumünster, Sachen aus der Kleiderkammer abholen. Da ist ein kleiner Umweg über Norderstedt machbar, ich simse eine Wegbeschreibung und stapele die Sachen solang in meinem portugiesischen Stammcafe (Cafe Latina, gegenüber dem Norderstedter Rathaus). Während ich dort noch einen Galao trinke, bekomme ich eine Mail von einer Norderstedter Vereinsfreundin aus dem Norderstedter Förderverein Flüchtlingshilfe/Neue Nachbarn, die nach Lektüre meines neusten Containertagebuchs unbedingt 200€ für das Idomeni-Projekt spenden will und mich bittet, das auszulegen. Also los zum nächsten Geldautomaten, das Geld in einen Umschlag gesteckt, Valdemar (dem Wirt) gegeben, damit die Spende gleich in die richtigen Hände (Joost) kommt. Das ich dem keine 24 Stunden später selbst gegenüber stehe, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
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      - Kurt Tucholsky -
      4.5.2016, 7:00
      Ich bin grad aus dem Bett gestolpert, da meldet sich schon R. (Personen- und Ortsnamen aus Personenschutzgründen geändert), von der ich mich schon verabschiedet hatte, weil sie mit nach Idomeni will. Sie hat eine junge Frau aus der ehelichen Wohnung befreit, mit Polizeiunterstützung, wegen häuslicher Gewalt. Da sie bis über beide Ohren in Reisevorbereitungen steckt und sich gleich mit Joost treffen will, fragt sie, ob ich die Frau übernehmen und in ein Frauenhaus bringen kann.
      Also setze ich, nach dem Frühstück natürlich, entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten mein Auto in Bewegung, denn eine Schutz Suchende kann man schlecht mit der U-Bahn transportieren, und kämpfe mich durch den Innenstadtstau. Das mache ich nur selten, deshalb eingeschränkte Orientierung, und sowas Neumodisches wie Navi hat mein Auto nicht, geschweigedenn könnte ich es bedienen. So kommt der gute alte Falkplan zum Einsatz, ausserdem scheint die Sonne und gibt mir wenigstens die Himmelsrichtung vor. Zwischendrin ruf ich mal R. sowie Joost an, beide stecken auch im Stau, und der Wendlandbewohner Joost kennt sich in der Großstadt eh nicht aus.

      Im Bieberhaus hab ich mich abgemeldet und meine Dolmetscherin zu den Landungsbrücken bestellt. Dorthin komm ich auch einigermaßen durch, da wegen des Hafengeburtstags am Wochenende schon einiges abgesperrt ist, ausgenommen Anlieger, der ich jetzt kurzfristig zu sein beschliesse, bis ich meine Dolmetscherin eingesammelt habe.
      Beifahrerin mit Stadtplan ist in dieser Lage schon mal sehr gut, noch besser dass sie auf die Hausnummern achten kann, ich muss nämlich zur Nr. 264 in der Großen Elbstraße zu Hanseatic Help, dem riesigen Lager für alle gespendeten Sachen. Joost und R. sind schon eine Weile nicht mehr ans Telefon gegangen, und als wir in den Betonhallen stehen, erkenne ich auch warum: Funkschatten. So konnte mir R. auch nicht mehr erklären, dass sie unsere Klientin inzwischen bei der Bundespolizei am Hauptbahnhof abgeliefert hat, damit sie Schutz hat, wenn sich ihr Mann meldet.

      Also doch zum Hauptbahnhof. Da der Hafenrand, an dem ich mich noch einigermaßen auskenne, gesperrt ist, und der Anliegertrick jetzt auch nicht mehr hilft, wühle ich mich wieder durch die Innenstadt und verfranse mich mehrmals, denn meine Beifahrerin findet auf dem Plan die Straßennamen nicht so schnell wie die wechseln. Irgendwann sind wir doch da, ich entrichte für eine Stunde 2.50€ Parkgebühr und wir gehen zur Bundespolizei. Beamtin wie Klientin sind froh, dass endlich eine gemeinsame Sprachverständigung möglich ist. Die Lage ist die, dass die junge Frau gegen ihren Willen verheiratet wurde und inzwischen ihren Angetrauten "nicht mehr riechen" kann. Sie ist schon mal geflüchtet und wurde vom weit verzweigten Clan des Ehemanns in einer weit entfernten Stadt wieder aufgegriffen. Jetzt will sie nur noch weg, aber da wo sie herkommt ist Krieg, da kann sie nicht wieder hin. Zumal auch ohne Krieg dort mit Frauen in einer Weise umgegangen wird, die keiner Frau zumutbar ist.

      Lange Debatte, einerweits will sie in ein Frauenhaus, andererseits sich vorher noch von der Familie verabschieden, wobei wir (Polizei, Dolmetscherin und ich) befürchten, dass die sie belatschern wieder dorthin zurückzukehren. Und das richtige Frauenhaus zu finden, ist das nächste Problem. Man kann ja nicht einfach dort klingeln, ob ein Zimmer frei ist. Zumal verständlicherweise nur Eingeweihte den Standort dieser Häuser kennen.
      Bei dem einzigen, das ich kenne, hab ich im Vorfeld schon angerufen. Die Betreuerin erklärte mir die Prozedur, damit die Kosten auch übernommen werden, dass sie mir aber keine Zusage machen könne, zumal das ganze Team für den Rest des Tages auf Fortbildung und nicht mehr erreichbar sei. Von der Polizei bekomme ich eine Hotline, bei der ich die Telefonnummer mehrerer Frauenhäuser bekomme und die Auskunft, dass im Frauenhaus von Y. eine Betreuerin wäre, die die Landessprache der Betroffenen spricht. Ich rufe dort an und werde auf eine Mobilnummer verwiesen. Dort meldet sich eine Bewohnerin, ja, es sei noch ein Platz frei, aber das Team sei in einer Besprechung und sie könne als Bewohnerin natürlich keine Zusage machen.

      Ich beschliesse, mit der jungen Frau auf Verdacht dorthin zu fahren. Wenigstens eine Beratung in der Landessprache, denke ich, kann dort stattfinden, dann sehen wir weiter, und lasse das so auch durch die Dolmetscherin erklären, die sich verabschieden muss, weil inzwischen 14 Uhr. So kämpfen wir uns fünfzig Kilometer durch den beginnenden Feierabendverkehr des Hamburger Umlands. Zwischendrin möchte meine Klientin telefonieren, ihr eigenes Gerät funktioniert nicht. Ich geb ihr meins, darf ja eh nicht während der Fahrt. Sie telefoniert dann ununterbrochen mit einem Mann - immerhin, wie ich später erfahre, war es nicht der Ehemann, sondern ein "Vertrauter" - bis wir in Y. angekommen sind und ich auch mal möchte, wenigstens den Standort durchgeben.

      Dann geht alles ganz schnell. Ich bekomme die gleiche Bewohnerin an den Apparat wie eben, sie hat sich inzwischen erkundigt und eine Aufnahme ist möglich. Sie dirigiert mich zum Parkplatz eines Einkaufszentrums, zwei Minuten später nehmen zwei junge Frauen meine Klientin in Empfang - super organisiert, Hut ab.

      P.S.
      Falls sich jetzt jemand über die rückständigen orientalischen Sitten, die derartige Zwangseheschliessungen ermöglichen, mokieren möchte - so weit weg sind bzw. waren wir Mitteleuropäer davon auch nicht. Vor wenigen Jahrzehnten waren derartige "arrangierten Ehen" in hiesigen Adelskreisen oder auf dem Land gang und gäbe. Ich erinnere mich an TV-Sendungen aus den Sechzigern, zum Beispiel Ohnsorg-Theater oder "Komödienstadl", wo thematisiert wurde, dass sich ein junges Paar liebt, aber nicht zusammen kommen darf, weil die jungen Leute von den Eltern schon anderweitig verplant sind, zum Beispiel zwecks Zusammenlegung der Argrarfläche zweier Großfamilien zu einer noch größeren. Im Film ging das im Regelfall noch gut aus, d.h. die Liebenden bekamen sich am Ende doch, aber das reale Leben ist halt kein Ohnsorgtheater.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Die Flüchtlingsfamilienbetreuerin Manuela Treff aus Wedel in Schleswig-Holstein (Hamburger Nordrand, aber im Gegensatz zu Norderstedt an der Elbe gelegen) hat auf Facebook den folgenden anrührenden Bericht gepostet, den ich mit ihrer Einwilligung hier weiter leite, unter der Bedingung, dass er nicht kommerziell genutzt wird (also achtet darauf, bei einer evtl. Weitergabe).

      Es ist mir gerade jetzt wichtig, auf solche Schicksale einzelner Menschen und Familien hinzuweisen, weil in der Politik und von rechten Hetzern über Geflüchtete als "Wellen" gesprochen wird, die man "eindämmen" müsste, als wären es Naturkatastrophen, und diese Verbrecher diesem Menschen dadurch ihr Mensch-Sein abzusprechen versuchen.


      Hier nun Manuelas Bericht:

      Vor ca. 4 Wochen bekam ich eine – Nachricht „Ela bitte kommen – Problem“ - also fuhr ich zu dem Papa und seinem Neffen, welche beide schon länger in Wedel weilen.

      Das Problem hörte sich in etwa so an: „Meine Familie (Frau und 4 Kinder) hat einen Botschaftstermin in Jakarta und wir benötigen 2000 € für den Flug von Beirut nach Indonesien“ - okay – wann? „in 3 Tagen“ . Meine Reaktion darauf, dass ich keinen Plan habe, wo ich das Geld bekommen sollte und dann in dieser kurzer Zeit, brachte nicht unbedingt ein Lächeln in die Gesichter. Aber auf jeden Fall rumorte in meinem Köpfchen – ich muss es versuchen. Wenn die Familie es schon geschafft hat – keine Ahnung wie – einen Termin in einer deutschen Botschaft zu bekommen, dann muss ich es versuchen.

      Also gab es meinen Facebook-Aufruf – unglaublich – Dank der Hilfe von Euch ganz lieben Unterstützern – hatten wir in 2 Tagen – 2000 € zusammen und der Flug nach Indonesien konnte pünktlich gebucht werden. Da syrische Personen nicht nur eine Hinflug buchen können, sondern auch gleichzeitig den Rückflug und die Buchung eines Hotels vorweisen mussten, reichte das Geld nur für die Reise dahin. Viele Telefonate waren in diesen 2 Tagen fällig, ebenso mit einer Verwandten in Hamburg des Papa`s. Sie versprach mir, sich um die Kosten der Umbuchung des Fluges von Indonesien nach Beirut auf Indonesien nach Deutschland zu kümmern und sie hat auch schon Spenden gesammelt und sei schon bei über 500 € und wird weiter machen. Okay – der nächste Meilenstein war geschafft. Nun hieß es warten, dass Mama mit 4 Kindern gesund in Indonesien landen und im Hotel einziehen. ,Was super funktionierte.

      Weiter ging die Spannung, was bei dem Termin in der Botschaft passiert – bekommen sie ihr Visum, und wie lange dauert es? Es waren ca. 2 Wochen, dann bekam ich die Nachricht - „Ela – morgen Visum“ - ein kleiner Freudenschrei ging durch mein Herz!
      Also – schnell die Verwandte in Hamburg angerufen - „Hey hallo – die Familie bekommt das Visum morgen – bitte schick das Geld, damit die Flüge nach Deutschland umgebucht werden können!“
      Schockstarre – denn die Antwort: „ Ich habe keine Geld – außerdem habe ich schon 200 € gegeben“ - hat mir fast den Boden unter den Füßen weg gezogen und dem Papa mit. Es war für mich unglaublich, dass jemand, dessen Wort ich hatte, diesen Satz so gleichgültig über die Lippen brachte und noch viel schlimmer – was mach ich jetzt?!

      Nun ging es erst mal darum genau herauszufinden, welche Kosten denn jetzt noch für die Flugumbuchung+Gebühren anfallen. Also wieder Telefonate ohne Ende und eine schlaflose Nacht, wo finde ich eine Lösung - ca. 1500 € standen jetzt erneut auf dem Plan.

      Da ist eine Frau mit 4 Kindern, die es geschafft hat – von Beirut nach Indonesien zu fliegen, einen Termin in der Botschaft hat und dann noch ein Visum bekommen hat und jetzt – soll das alles umsonst gewesen sein? - Nein Ela – das geht nicht!

      Also Möglichkeit gefunden, wieder Qatar angerufen – Flüge umgebucht und mit Kreditkarte bezahlt. Wieder waren wir Beteiligten super erleichtert und glücklich. Aaaaaaaaber, das war es noch nicht – 3 Tage lang musste ich wieder Telefonate führen, Mails schreiben, alles offenlegen, was beweisen konnte, dass die Kreditkarte meine ist und tausendmal erklären, dass es nicht möglich ist, meine Kreditkarte beim Check-in in Indonesien am Schalter vorzulegen, da ich in Deutschland bin und demzufolge meine Karte auch! Aber irgendwie wollte das keiner verstehen!
      Aber auch dieses hatten wir dann geschafft.

      So jetzt war der Stand – Familie in Indonesien - Termin Botschaft erledigt – Visum erhalten – Flug nach Deutschland umgebucht! Klingt super – es waren auch nur noch 3 Tage bis zum Start des Fliegers – Alle Hürden genommen – perfekt!

      Am 03.05. - 0.20 Uhr (indonesischer Zeit/ deutsch – 19.20 Uhr) sollte der Flieger starten. Damit er ja nicht verpasst wird, war die Familie bereits vormittags auf dem Flughafen in Jakarta und meine Glücksgefühle wurden immer größer.

      Gegen 17 Uhr unserer Zeit erhielt ich den ersten Anruf - „Ela Problem“ - alle Alarmglocken in meinem Köpfchen gingen an. Beim Einchecken wurden die Pässe abgenommen und so ein Flug nach Deutschland unmöglich gemacht. Der Grund, welchen wir wieder erst nach längeren Telefonaten mit Indonesien, mit der Fluggesellschaft und der Familie erfahren konnten – wurde wie folgt angegeben: In den Pässen der Kinder sei keine Unterschrift – nur ein Fingerabdruck und das können die indonesischen Beamten nicht akzeptieren!
      Bitte nicht fragen – wie wir hier im Dreieck gelaufen und nicht weiter gekommen sind!

      Die Familie war mittlerweile ca. 12 h auf dem Flughafen – hatten kein Geld für Essen und Trinken und nun auch keine Pässe mehr – absoluter Horror!

      Dann kam die Nachricht – der Flieger ist defekt und fällt aus – der Flug wird auf ca. 20.00 Uhr indonesischer Zeit (deutsch – 15 Uhr )verschoben. Sie bekamen ihre Pässe zurück! Okay – jetzt hatten sie erst mal die Pässe wieder – aber weitere Stunden auf dem Flughafen.

      Gegen 22 Uhr wieder ein Anruf - „Ela – Problem – again“! Dann haben wir von 22
      Uhr bis morgens 3.30 Uhr (unserer Zeit) wieder mit Indonesien, mit der 24h-Hotline von Qatar usw. telefoniert – weil die Pässe wurden wieder eingezogen. Es war unglaublich! Und wieder nichts erreicht – die indonesischen Beamten bestanden auf die Unterschriften der Kinder in den Pässen und haben uns mitgeteilt, dass sie eine Mail nach Berlin-Tegel geschickt haben und nun auf Antwort warten und das mitten in der Nacht – super – da ist man ja auch sehr aktiv auf unseren Flughäfen.

      Aus unserer Sicht, hatte das Ganze einen reinen Anflug von Schikane und Korruption. Wir haben die halbe Welt bereist und viel davon in Asien auch Indonesien – mit einem Schein`chen ist manches einfacher. Die Familie hatte aber NICHTS!

      Nachdem ich dann hoffnungslos versucht habe – doch noch ein wenig Schlaf zu finden, versuchte ich am nächsten Morgen wieder in Berlin – Tegel anzurufen und diesmal mit Erfolg. Ein sehr netter Mitarbeiter der Fluggesellschaft hat sich meinem Problem angenommen und nachdem ich ihm alle Dokumente per Mail sendete - sofort mit der Bundespolizei gesprochen und diese hat mit indonesischen Behörden gesprochen und die Familie zum Flug nach Deutschland freigegeben.

      Wir hatten es geschafft – 19.40 Uhr (14.40 Uhr deutscher Zeit) saß die Familie im Flieger nach Deutschland über Qatar!

      Papa und Neffe (welcher jetzt hoffentlich noch erholsame Tage in Berlin genießt) hatten sich am Dienstag Abend auf den Weg nach Berlin begeben (sie hatten bereits ein Busticket gelöst und konnten es nicht verfallen lassen), um die Familie in die Arme zu schließen. Nun war nur noch der Weg nach Wedel – und wenn sie gelandet sind – kann ja nichts mehr schief gehen!

      Die Nachricht gestern abend ca. 20.30 Uhr – Papa hat Familie am Flughafen getroffen – lies tausend Steinchen von meinem Herzen fallen – nun wird alles gut!

      Sie hatten bereits ein Ticket für den Bus nach Hamburg gelöst, welcher um 6.30 Uhr in Hamburg ankommen sollte, dann neue Info – 6.10 Uhr Ankunft.

      Also heute morgen bedeutete das für meinen Mann und mich voller Freude: 4.30 Uhr aufstehen und 5.15 Uhr nach Hamburg zum Busbahnhof und die Familie glücklich in Empfang nehmen.

      6.10 Uhr – okay gleich - 6.30 Uhr – kein Bus in Sicht – 6.45 Uhr noch immer kein Bus in Sicht – 7.00 Uhr keiner da – 7.15 Uhr – die Info: der Bus wurde gestoppt am Berliner Tor von der Bundespolizei, da illegale Flüchtlinge vermutet wurden (der Bus kam aus Prag über Berlin) Es wurden einige Personen in Handschellen abgeführt ! Ich brauch Euch nicht sagen – wo mein Herz war!

      7.45 Uhr kam der Bus an und aus dem obersten Fenster – sah ich einen glücklich winkenden Papa! Alle 6 stiegen aus und die Umarmung war so was von herzlich und die Tränen waren auf beiden Seiten nicht mehr zu stoppen – dafür gibt es keine Worte!

      Nun gab es noch einen kleinen Imbiss, welcher mit strahlenden Augen verdrückt wurde und dann ging es nach Wedel in das neue Zuhause und in eine Zukunft, ohne Bomben, ohne Krieg und in der jeder eine Chance bekommt – sein Leben lebenswert zu gestalten!

      Für diesen Papa – war es wohl heut der schönste Vatertag aller Zeiten!

      Auch wenn es viel Nerven und Aufwand gekostet hat, dieses Happy-End zu bekommen – es war jeden Cent und jede Sekunde wert! Und Ihr – habt einen ganz dollen Anteil dran!

      Mein größter Respekt gilt dieser Mama! Es ist für keinen für uns wohl vorstellbar, welche Ängste man ertragen muss – wenn man mit 4 Kindern sich auf solch einen Weg begibt, sein „Hab und Gut“ in 2 Koffer packen muss und solche Art von Ungewissheit und Problem bewältigen muss!

      VIELEN DANK - auch im Namen der Familie!
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Warum konnte die Familie nicht in Beirut bleiben?
      Mit den 2000€ hätten der Papa und sein Neffe locker 2x
      nach Beirut fliegen können.
      Millionen Palästinensern wird das Schicksal
      der Flucht in Camps (Libanon, Jordanien, Syrien, Irak)
      oder Internierungslagern (Gaza, Teile vom West-Jordan-Land)
      schon jahrzehntelang von uns vorgeschrieben oder zumindest
      geduldet. Die Krönung ist, daß sie von uns als "staatenlos" geführt werden.
      Und wenn sie sich dagegen wehren werden sie als
      Terroristen von uns verfolgt. Frage ich mich: Teilen wir die Flüchtlinge
      nicht auch in verschiedene Klassen ein?

      Einzelschicksale berühren besonders...die Konzentration darauf macht
      die Welt aber noch ungerechter.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Eine wirkliche Perspektive auf Dauer haben auch nur ein Bruchteil
      der Flüchtlinge bei uns. Der Sinn der Flüchtlingshilfe ist ein Aufenthalt auf
      Zeit...mitunter verbunden mit Entwicklungshilfe durch uns (Berufsausbildung,
      Studium). Aber perspektivisch ist eine Rückkehr in die Herkunftsländer
      unabdingbar. Deshalb besteht auch unsere Pflicht bei der Stabilisierung
      der Lebenssituation in den Krisengebieten. Nur allein Waffen (wie es unsere
      Militärpolitiker anstreben) helfen da nicht. Da braucht es endlich eine ehrliche
      gemeinsame Anstrengung aller "vernünftigen" Staaten.
      Nun zurück zu den Einreisevisa. Die Mehrheit der Bundesländer hat den
      Familienzuzug für Syrer (und nicht nur für diese) ausgesetzt. Sie warten auf ein
      Grundsatzurteil in dem es dann um (könnt ihr euch sicher denken) die
      Verteilung der Sozialkosten geht. Unsere thüringer ro/rote Landesregierung hat sich
      ein Herz gefaßt und bis dahin eine Sonderregelung verlängert. Also wer seine
      direkten Familienangehörigen (keine Neffen!) herholen will und eine dauerhafte
      Aufenthaltsgenehmigung für Thüringen hat kann sich glücklich schätzen.
      Wer aber noch nicht als "dauerhafter Flüchtling" anerkannt ist hat nur eine Chance:
      ein ausreichendes regelmäßiges Einkommen nachweisen, Vermögen hinterlegen
      oder einen Bürgen finden, der in Zukunft für "alle" notwendigen Sozialausgaben der
      Familie aufkommt. Zumindest bis ein dauerhafter Aufenthaltsstatus erteilt wird. Alle
      anderen (also ca 80% der Migranten) müssen früher oder später unser Land wieder
      verlassen.
      PS: Die aktuelle Sonderregelung der Erfurter Landesregierung wird heute auf Seite 1
      der OTZ thematisiert.
      otz.de/web/zgt/politik/detail/…zug-von-Syrern-1502887730
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Wer es als Asylbewerber bis hier her geschafft hat
      muß sich nun Gedanken um einen Lebensunterhalt
      machen. Der Verweis auf eine Erwerbstätigkeit ist
      dabei eigentlich eine Frechheit. Selbst wenn die
      Arbeitssperre aufgehoben ist, die bisher erworbene
      Qualifikation anerkannt wird, muß der Asylant sich
      gegen die vielen nationalen Mitbewerber durchsetzen.
      Bei der verfestigten Sockelarbeitslosigkeit kein Spaß.
      Ergebnis: Er muß mit unterdurchschnittlichen Lohn-
      wünschen punkten. Als Ergebnis bleiben Asylanten
      (zumindest der Hauptanteil) auf Dauer "Aufstocker"
      im Sinne des SGBII.
      Die Feinheit bei den Flüchtlingen (es gibt ja tausende Gründe
      für eine Flucht) besteht außerdem noch zwischen Asylanten
      (Aufenthaltsrecht nur temporär) und Migranten (Aufenthalts-
      recht dauerhaft). Und dann gibt es noch die "Illegalen". Die haben
      wie der Begriff schon suggeriert keinen "legalen" Anspruch auf
      Unterstützung. Wer sie ihnen dennoch gewährt verstößt gegen das
      deutsche Aufenthaltsgesetz . Wobei Mediziner aus ethischen Gründen
      bisher davon ausdrücklich ausgenommen wurden.
      Quelle:igfm.de/menschenrechte/hilfe-f…l/illegal-in-deutschland/
      Grundsätzlich ist der Aufenthalt eines illegalen Einwanderers ab dem Zeitpunkt, ab dem sein Asylantrag abgelehnt wurde, seine Aufenthaltsgenehmigung abläuft, keine Duldung vorliegt oder bereits eine Ausreise angeordnet wurde, rechtswidrig. Und grundsätzlich macht sich jeder, der diese rechtswidrige Handlung unterstützt, der Beihilfe oder Anstiftung einer Straftat nach § 96 AufenthG schuldig. Obgleich diese Fälle oft nicht verfolgt werden, bleibt eine große Rechtsunsicherheit bei den betroffenen Helfern. Auch politisch wird dies sehr zwiespältig behandelt. Einerseits wurden ehrenamtliche Helfer oder Organisationen auf verschiedene Art und Weise für ihre Arbeit auch mit illegalen Migranten ausgezeichnet, andererseits ist eine Strafbarkeit gesetzlich nicht ausgeschlossen.


      Zumindest haben die Migranten (mit Status Daueraufenthalt) mehr Chancen
      auf eine Hilfestellung durch den Staat für Qualifizierung und Arbeitsmarkt-
      integration. Für diese Gruppe ist eine Integration in die deutsche
      Gesellschaft eigentlich auch alternativlos.
      Wer die monetäre Lebenssituation der Asylanten (mit Aufenthaltsstatus) mal etwas genauer
      "beschnuppern" will, dem empfehle ich
      n-tv.de/politik/So-viel-bekomm…lich-article17669556.html
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Eine Alternative zur Bewältigung der Flüchtlingsströme
      ist die Errichtung von "Flüchtlingscamps" in territorialer
      Nähe zu den Herkunftsländern mit der Hilfe der ganzen
      Welt.
      Erstens können die Menschen bei einer Beruhigung der
      Lage wieder in ihrem angestammten Kulturkreis zurück-
      kehren und gleichzeitig am Aufbau mitwirken.
      Zweitens können Gelder, die bei uns nicht zur Integration
      der Flüchtlinge benötigt werden dort viel größere Wirkung
      erzielen...wenn wir sie denn auch dorthin senden.
      Mittlerweile hat selbst das UNHCR große Probleme, wegen
      ausbleibender Hilfsgelder die Versorgung der Vielzahl von
      Flüchtlingscamps zu gewährleisten.
      Hier nun ein Interview mit Herrn Kilian Kleinschmidt, dem
      Manager des Flüchtlingscamps Zaatari in Jordanien, aus dem
      Jahre 2015. Es geht dabei um den Inhalt eines Vortrages
      im "Amerika-Haus München". Solche Dinge wünsche ich mir
      mehr in den mainstream-Medien. Aber wer sucht findet auch die
      "kleinen Körner"...in Anlehnung an eine Dorfweisheit. :zwinker2:
      actuallynot.de/2015/01/14/kili…-wuerde-der-fluechtlinge/
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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