Bis zu 450 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden: Nach den verheerenden Regenfällen auf Sardinien sind sich Klimaexperten und Umweltschützer einig, dass sich Italien in Zukunft an solche Unwetter gewöhnen muss. Sie fordern ein Frühwarnsystem und die Renaturierung von Fluss- und Bachläufen.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Nicht nur Sardinien, ein ganzes Land versinkt in diesen Tagen im Dauerregen. Im Herbst ist das in Italien nicht ungewöhnlich. Und auch dass innerhalb weniger Stunden 400 bis 450 Liter pro Quadratmeter fallen, sei keine Ausnahme mehr, sagt Giorgio Zampetti von der Umweltorganisation "Legambiente".
"Früher gab es solche Niederschläge alle 20 bis 40 Jahre", sagt der Umweltaktivist. "Wir haben die italienischen Regionen untersucht, vor allem Ligurien und die Toskana, die zuletzt am meisten betroffen waren. Und wir haben festgestellt, dass so etwas nun drei- bis viermal pro Jahr vorkommt. Hier ist also aus der Ausnahme eine Regel geworden."
Klimatologen und Umweltschützer haben keinen Zweifel mehr daran, dass die Sintfluten mit dem Klimawandel zusammenhängen: Nach einem langen heißen Sommer, der in diesem Jahr bis Anfang November gedauert hat, sind die Temperaturen des Mittelmeers gestiegen. Deshalb sammelt sich mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre, die sich dann in einem Unwetter über Sardinien, Kalabrien oder der Toskana entlädt.
Warum gerade hier? "Die Gebirge sind hier sehr nah an der Küste", sagt Zampetti. "Die Erhöhung der Wassertemperaturen füllt die Wolken mit Wasser. Und wenn die dann in Küstennähe auf Berge treffen, entladen sie diese enormen Wassermassen."
Einmal am Boden, sucht sich das Wasser seinen eigenen Weg und findet ihn nicht mehr. In Olbia auf Sardinien ist der Fluss, der das Wasser vom Gebirge ins Meer bringen soll, komplett ausbetoniert. Es sei zu oft dort gebaut worden, wo nicht gebaut werden durfte, so Umweltschützer Zampetti. "Die Flüsse wurden oft durch Straßen, Parkplätze oder Häuser verbaut. Oder man hat viel zu niedrige Brücken errichtet mit zu wenig Platz für das Wasser. All das macht Italien sehr verletzlich."
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