Klaus Kinski - ein Tyrann und Vergewaltiger

      Klaus Kinski - ein Tyrann und Vergewaltiger

      Manche Schauspieler sind im wirklichen Leben das Gegenteil von der Rolle, für die sie bekannt geworden sind, wie der kürzlich verstorbene Larry Hagman - in "Dallas" ein zynischer Ölmultimillionär und Inbegriff des hässlichen Kapitalisten, real ein Liberaler (das ist bei US-Rechten ein Schimpfwort) und Umweltaktivist -, oder Martin Rickelt (1915-2004), der, selbst Antifaschist, in der "Lindenstraße" den unverbsserlichen Altnazi Franz Wittig spielte. Klaus Kinski (1926-1991) jedoch war offensichtlich nicht nur in seinen Filmen und im überlieferten Verhalten während der Dreharbeiten das narzisstische selbstbezogene Arschloch, sondern auch im Privatleben gegenüber seinen Töchtern, insbesondere der älteren, Pola Kinski, die nach eigenen Angaben zwischen ihrem 9. und 19. Lebensjahr vielfach von ihm vergewaltigt worden ist. Auch ihre jüngere Schwester Nastassia bestätigte jetzt Übergriffe und eine Athmosphäre der Angst, die ihre Kindheit überschattete.

      Pola Kinski hat jetzt ein Buch über ihre Horror-Kindheit herausgegeben, Kindermund (Suhrkamp Verlag, 267 Seiten, 19, 95 Euro), in dem sie ihr Martyrium beschreibt, ausserdem ist in der aktuellen Ausganbe des STERN ein ausführliches Interview mit ihr zu lesen.

      Pola Kinski, der bereits vorgeworfen wird, sie dränge mit ihrer Geschichte aus Geldgier ans Licht, beschreibt den Vater als einen, der jeden um sich herum unterwerfen, kolonisieren wollte. Er wollte die Kleidung bestimmen, die andere trugen, er kaufte Frau und Tochter Reizwäsche, er warf Gäste aus dem Haus, die ihm nicht passten, beschwerte sich brüllend über „die Kretins“, die alle anderen seien. Nicht allein das Kind Pola befand sich in der Privatdiktatur eines Vaters, den die Erwachsene als spießig, kleinlich, egozentrisch und zwanghaft schildert. Die Tochter, vor der er seine sexuellen Handlungen als „ganz normal“ darstellte, hatte er zugleich zum Schweigen vergattert. Spräche sie, lande er im Gefängnis.

      All das klingt glaubhaft. Und es ist gut und wichtig, dass jemand wie Pola Kinski der Gesellschaft ihre Geschichte berichtet. Nicht weil Klaus Kinski, „das Genie“, so ungewöhnlich wäre und weil die Geschichte dieses Kindes so aus dem Rahmen fällt. Im Gegenteil. Der Vater Kinski, als zutiefst unsicherer, narzisstischer Haustyrann, der die Gewalt über Schwächere genießt, entspricht einem der typischen Täterprofile, die es für sexuellen Missbrauch gibt. Narzisstische Störungsformen gehören fast immer dazu. Sexueller Missbrauch erfordert, wie die „nur“ physische und seelische Misshandlung, das Ausblenden oder aktive Umdeuten der Empfindungen des Kindes, das dem Täter Mittel zum Zweck wird. Im Kern geht es beim sexuellen Ausbeuten von Kindern um Macht. Der Erwachsene, geplagt von Gefühlen der Minderwertigkeit, getrieben von aggressiven, rivalisierenden Impulsen. Vom Wunsch, mächtig zu sein, Kontrolle auszuüben, sich abzureagieren, findet er kein besseres und billigeres Objekt als ein Kind, ein „eigenes“ zumal, oder doch ein im Umfeld leicht zur Verfügung stehendes Kind. Wer, wenn nicht eine Prominente, wie Pola Kinski, würde in der Öffentlichkeit so viel Gehör finden? Ihr erklärtes Ziel ist es, mit dem Buch anderen erwachsenen Opfern Mut zu machen, das Schweigen zu beenden.

      tagesspiegel.de/weltspiegel/mi…-widerlichen/7613960.html
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -

      RE: Klaus Kinski - ein Tyrann und Vergewaltiger

      In Berlin wird teilweise kontrovers darüber diskutiert, ob Klaus Kinskis Stern
      auf dem Boulevard der Stars, dem Berliner "Walk of Fame" am Potsdamer Platz wieder entfernt werden soll.

      berliner-zeitung.de/berlin/mis…t-,10809148,21441224.html
      boulevard-der-stars-berlin.de/…m-stern-fur-klaus-kinski/


      Zum Copyright des Fotos siehe
      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…_Berlin_-3.JPG?uselang=de

      Im April 2013 will die Jury, die für die Auswahl der sternewürdigen Prominenten zuständig ist, bei ihrer nächsten Sitzung darüber entscheiden.

      ELMA