Reisen in und durch die DDR

      Das Berliner DDR-Museum hat seine Ausstellungen erweitert - empfehlenswert v.a. für Leute, die nie in der DDR waren:

      1. Das Thema
      Das DDR Museum widmet sich als einziges Museum dem Leben in der ehemaligen DDR und erweitert das Blickfeld der Aufarbeitung damit von Stasi und Mauer um das alltägliche Leben. Wie hat sich das Leben vom Leben im Westen unterschieden? Wie hat der Staat das Leben der Menschen beeinflusst? Wo war die Diktatur im Alltag spürbar? Was sind die so oft aufgezählten positiven Errungenschaften der DDR und sind diese wirklich positiv? Und haben die Vorurteile aus Filmen und Anekdoten ihre Richtigkeit oder sind diese grundfalsch? Auf amüsante und ironische Weise werden diese Fragen in der Dauerausstellung aufgeworfen und beantwortet.

      2. Das Konzept
      Die Dauerausstellung nimmt das Motto „Geschichte zum Anfassen" wörtlich: Sie betreten eine Plattenbausiedlung im Maßstab 1:20 und müssen dabei alle Ihre Sinne mitnehmen. Informationen und Exponate verbergen sich hinter Schubläden, Schränken und Türen. Die Exponate können angefasst und benutzt werden, die Küche riecht noch original nach DDR, der Trabi lädt zur virtuellen Rundfahrt ein. Das aus normalen Museen bekannte Dogma des Schauens mit den Augen wird zu einem Sinn unter vielen, den Sie benutzen müssen - die Ausstellung wird zu einem Erlebnis, dass DDR Museum zum vielleicht interaktivsten Museum der Welt.


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      :reg:
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      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -

      Mal kurz zurück

      Habe bei meiner Stöberei nach alten Fotos noch ein Transitvisum entdeckt.
      Schaut mal auf das Datum!





      Und fällt Euch noch was anderes auf?
      :o_linie3:


      Jede Reise hat zwei Höhepunkte:
      den einen, wenn man hinausfährt,
      erlebnishungrig und voller Erwartung -
      und den anderen, wenn man heimkehrt, gesättigt von den Eindrücken
      und in Vorfreude auf das eigene Zuhause.

      (Heinrich Spoerl, Auszug aus "Die Hochzeitsreise)
      Man könnte denken, es ist vom 17.11.91 ...
      :traurigdenkend: :nachdenken: :traurigdenkend: :nachdenken: :traurigdenkend: :nachdenken: :traurigdenkend: :nachdenken: :traurigdenkend: :nachdenken:

      Eigentlich gab's diesen Staat da schon nicht mehr.
      Aber manches davon ist langlebiger als man denkt -
      ich erinnere da z.B. eine Parkplatzreservierung in Prag ...
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      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Vor der Grenzöffnung muste man diese Transitvisa unbedingt wieder abgeben, bzw. wär man ohne die Abgabe nicht rausgelassen worden, d.h. die Herrschaften sahen es da schon ein bissl lockerer. Ab Anfang 90 haben sie die Zettelwirtschaft dann ganz gelassen, und ab Mai etwa waren die Grenzen völlig offen.

      Und nun zur vermutlichen Lösung des Rätsels:
      Am 2. Wochenende nach der Grenzöffnung (9.11., das war ein Donnerstag, was ich vermutlich nie vergessen werde) sind wir mit dem Zug von Hamburg nach Berlin gefahren, eben über den Grenzübergang Staaken. Und das war am 19.11.89 - die haben auf ihren Zetteln die Jahrzehntangaben, d.h. hier die 8, weggelassen.

      Wie aus dem entsprechenden Wikipedia-Link ersichtlich, wurden die Pässe nach dem gleichen Muster gestempelt:

      Diese Datei und die Informationen unter dem roten Trennstrich werden aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

      Die griechischen Ein- (oben) und Ausreisestempel (unten) verraten uns das Jahr: 1987.
      Ich gehe davon aus, dass die DDR-Transit-Stempel auch aus den Achtzigern sind - in den 70ern hatten sie m.W. andere Stempel, ausserdem haben sie da bei jeder Ein- und Ausreise gestempelt, hier nur noch bei der jeweiligen Einreise.

      - Bei den oberen Stempeln ist der oder die Reisende demnach am 2.10.85 mit dem Auto über Marienborn Richtung West-Berlin gefahren, am 3.10.85 (linker Stempel) über Drewitz wieder zurück;
      - am 19.11.85 interessanterweise von Berlin über Drewitz nach Westdeutschland und am 24.11. über Marientborn zurück - ist er womöglich vorher nach Berlin geflogen (da wurde nicht gestempelt) ?
      - am 21.12.85 (3. Reihe von oben) ist er mit dem Auto über Drewitz nach Westdeutschland (Hannover ? Köln ?) gefahren, aber am 4.1.86 mit dem Zug über Marienborn wieder nach Berlin. Das war sehr vernünftig, damals war nämlich ordentliches Schneewetter; ich bin selber am 1.1.86 mit dem Auto von Berlin nach Frankfurt gefahren, Abfahrt in Berlin ca. 9 Uhr morgens und Ankunft in Mörfelden, wo ich am 2.1. um 8 antreten musste, um 4 Uhr in der Früh.
      - Irgendwie wusste er wohl nicht, wo er hingehörte; schon am 9.1.86 ist er mit dem Zug wieder über Marienborn nach Berlin gefahren (man sieht das an der stilisierten Elektrolok oben rechts im Stempel) und einen Tag später von Berlin wieder gen Westen. Der Übergang Marienborn bei Helmstedt ging sowohl für Autos als auch für Eisenbahn, während auf Berliner Seite Drewitz nur für Auto- und Griebnitzsee nur für Bahnreisende möglich war.

      Die letzten beiden Zahlen hinter der 5 bzw. 6 als Jahreszahl geben wahrscheinlich die Uhrzeit an.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Boah, was Du wieder an Einzelheiten herausgefunden hast... :so97:
      Ist ja Wahnsinn! :bravo:

      Diese Mühe hätte ich mir nicht gemacht - um so interessanter nun zu erfahren, was sich dahinter wohl verbirgt.
      Dankeschön :respekt:

      P.S. Habe gerade Fotos eingescannt (vom 19.11.89) die erklären können das Deine These richtig ist, denn sie entstanden auf der Rückfahrt von Berlin (Ost).



      :o_linie3:


      Jede Reise hat zwei Höhepunkte:
      den einen, wenn man hinausfährt,
      erlebnishungrig und voller Erwartung -
      und den anderen, wenn man heimkehrt, gesättigt von den Eindrücken
      und in Vorfreude auf das eigene Zuhause.

      (Heinrich Spoerl, Auszug aus "Die Hochzeitsreise)
      Dankschön für die :blreich: liebe Schnuppi :knuddel1:

      Die Züge brauchten damals noch fast sechs Stunden von Berlin nach Hamburg. Auf DDR-Gebiet hielten sie zweimal, in Staaken, dessen Westteil damals zur DDR gehörte :link: und in Schwanheide, kurz vor Büchen (dort, das war schon in Schleswig-Holstein, hielten sie nochmal). Bis zum 9.11.89 durfte man dort nicht aussteigen; als wir - ein paar Tage später - dort entlang fuhren, stiegen Trauben von Menschen aus und ein.

      Das hier ist jetzt Schwanheide, d.h.beim oberen Bild bin ich nicht ganz sicher.




      Man beachte die Absperrzäune - ein par Tage früher wär da vermutlich strengstes Photographierverbot gewesen, bzw. es hätte sich auch niemand getraut. Aber zu diesem Zeitpunkt konnten einem DDR-Grenzer keinen Schreck mehr einjagen.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Ich bin 1980 mit dem Zug von Frankfurt nach Berlin gefahren. Der fuhr in Gerstungen (bei Eisenach) in die DDR und in Griebnitzsee (bei Potsdam) wieder raus. Zwei- oder dreimal hielt er (wahrscheinlich verkehrsbedingt) in einer größeren DDR-Stadt, u.a. in Erfurt. Niemand durfte dort ein- oder aussteigen. Uniformierte DDR-Soldaten oder -Polizisten bildeten ein Spalier um den Zug. Das fand ich gespenstisch.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Zu dem Abenteuerreisen-Flair einer DDR- oder Westberlin-Reise konnten auch die westdeutschen Grenzschützer beitragen.

      So erinnere ich mich an eine ausgiebige Kontrolle im Transit 1982 westlicherseits, Motiv wohl Terroristenfahndung (wie man heute weiss, war dieser Gedanke gar nicht so abwegig). Ich öffnete bereitwillig den Kofferraum meines Renault R4, vollgestopft wie immer. und erklärte den Hofer Grenzern ( da ich dort einige Jahre zur Schule gegangen bin, in deren Dialekt), dass bei 3 Mitfahrern und dem kleinen Auto der Christian Klar hier beim besten Willen nicht mehr reingepasst hätte. Das sahen sie auch vollkommen ein, die Atmosphäre war, gemessen an anderen (Ost- wie West-)Kontrollen relativ entspannt.

      Dann klappten sie den Kofferraum wieder zu und studierten die zahlreichen Politaufkleber. Fragten mich, wo man die her bekäme, ich gab nach bestem Wissen Auskunft, bis ein Neuer herkam und auf ein aufgrund der Auseinandersetzungen um die Startbahn West verfremdetes Hessenwappen zeigte, auf dem der hessischen Löwe mit Polizeihelm und bluttriefendem Knüppel abgebildet war. "Der muss runda, der is vaboodn !" Zeigte mir ein Fernschreiben des Amtgerichts Frankfurt/M., wonach dieser Löwe, wo auch immer er angetroffen würde, unter Angabe des Aktenzeichens nach Frankfurt zu schicken sei.

      Also, Auto mit Löwen photographiert, Löwe runter und auf ein Blatt Papier geklebt, Auto nochmal geknipst ohne Löwen, ich bat um eine Beschlagnahmebescheinigung. Sollte ich auch kriegen, und folgte der Aufforderung, in den Wachcontainer zu kommen. Hatte grad den Schrieb in der Hand, als der Photograph reinkam.

      "Olso, ich waass ja net, ob ich ieberhauptz na richtichn Fllm (im Hofer Dialekt kann man das L betonen, ähnlich wie in slawischen Sprachen das R) drin g'habt hob."
      Da wurde der Beamte aber bös:
      "Olso wechn Dir babb'n mer des Ding net nochamal hi, so miehsam wie ma's rundagratzt ham !"

      Drei Tage später stand die Geschichte in der TAZ, samt kopierter Löwenbeschlagnahmebescheinigung.
      Das Verfahren gegen mich wegen Verunglimpfung des hessischen Staatswappens wurde vier Monate später von der Staatsanwaltschaft Heidelberg eingestellt, mit einer fünfseitigen Begründung.

      P.S.
      Meine "Schwerter zu Pflugscharen"- und Solidarnosc-Aufkleber wurden von der DDR-Polizei im Transit vollkommen ignoriert - bei einer Einreise wär das vermutlich anders gewesen.
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      - Kurt Tucholsky -
      Heut kannst wahrscheinlich nur noch drüber :hasenlache: aber damals hast Dich vermutlich ein wenig :hasenaerger: - wegen des schönen Wappens :hasenfloet:

      Und: Ist ja unglaublich was das alles nach sich gezogen hat.
      Vor allem die irrelange Begründung.
      So beschäftigt man Leute.
      :o_linie3:


      Jede Reise hat zwei Höhepunkte:
      den einen, wenn man hinausfährt,
      erlebnishungrig und voller Erwartung -
      und den anderen, wenn man heimkehrt, gesättigt von den Eindrücken
      und in Vorfreude auf das eigene Zuhause.

      (Heinrich Spoerl, Auszug aus "Die Hochzeitsreise)
      Ja, ein bissl geärgert hat's mich schon - aber sowie ich den Polizeischrieb in der Hand hatte, wusste ich:
      Der kommt in die TAZ (ich kannte dort Leute), und das hat mich getröstet. Drei Tage später war er drin.
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      - Kurt Tucholsky -
      Original von Grizzly
      Als Student und Klapperkistenfahrer hatte man auf der Transitstrecke eine Sicherheit:
      Auch wenn das Auto liegen bleibt - raus aus der DDR kommt man immer.

      Die Volkspolizei fackelte dann nicht lang und nötigte ahnungslose "Westbürger" zum Schleppen, zur Pannenhilfe oder zur Herausgabe benötigter Ersatzteile.
      Dies war sogar mal Thema eines "Tatort"-Krimis, in dem die Vopo den eh schon unter Zeitdruck stehenden Marius Müller-Westernhagen dazu verdonnerte, einem Senioren den Reifen zu wechseln ...

      Der Film hiess Transit ins Jenseits - Video ist leider defekt.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Original von Tommy_Senior
      Ich kann es mir noch genau vorstellen, wie es war. Bin als Kind oft genug mit meinen Eltern über die Grenze gefahren und habe miterlebt, wie das Auto auseinander genommen wurde.

      Ein mal hat mein Vater vergessen, die Musikkassetten vorher rauszutun. Die sind natürlich alle beschlagnahmt worden. Mein Vater hat sie zwar bei der Ausreise wieder zurück bekommen. Aber da offensichtlich irgendein Stasi-Spitzel die Dinger mit einem Abspielgerät Marke VEB RFT abgehört hatte, gabs nur noch Bandsalat.

      Das ist im Transit, z.B. nach West-Berlin, nicht passiert, von daher musste ich vorher auch mein Auto nicht ausräumen.
      Nur den KFZ-Schein dabei haben, und den Pass natürlich, das war wichtig. Wobei es für den Pass ein 10-DM-teures Hintertürchen gab: Man konnte sich eine "provisorisches Grenzübertrittsdokument" ausstellen lassen - das galt allerdings nur für eine Durchfahrt.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Ohne KFZ-Schein, weil vergessen, oder, wie uns passiert, irgendwo in den Untiefen einer der zahlreichen Behältnisse, die man in einen VW-Bus hineinbekommt, verlegt (und Monate später wieder aufgetaucht), war ein DDR-Transit nicht möglich. Wir mussten zurück zur westdeutschen Seite fahren (in dem Fall über die Saalebrücke bei Rudolfstein) und uns bei der Grenzpolizei für ca. 30 DM einen neuen ausstellen lassen. Abgesehen von der neuen Erfahrung, dass die DDR-Grenzer extra für uns ein paar Absperrungen beiseite geschoben haben, damit wir wieder zurück kamen, eine zeitraubende, teure und stressige Prozedur.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Auf den Autobahnbrücken der Transitautobahn nach Berlin waren oft Werbesprüche zu lesen,
      der berühmteste hat's heute bis ins Deutsche Historische Museum geschafft:
      Plaste und Elaste aus Schkopau

      Im Gedächtnis haften geblieben ist mir auch:
      Exellent Mieder verschönen formend die Figur.

      Einer verschwand nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 :klick:
      Reisen nach Polen immer empfohlen.
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      - Kurt Tucholsky -
      Die ersten beiden Sprüche kenn ich auch noch.
      Doch das mit dem "Reisen nach Polen" ist mir nie
      gegegnet. Ich war aber auch ohne diese Werbung
      in Polen. Denn durch die gemeinsame deutsche
      Geschichte gab es noch genügend persönliche
      Verbindungen dort hin. Vor 1981 gab es (außer
      beim Geldumtausch) keine Einschränkungen im
      Reiseverkehr DDR-Polen. Wir hatten auch zwei
      "geteilte Städte" bei denen der tägliche Grenzverkehr
      von Arbeitern bestens funktionierte,Guben und Görlitz.
      Also eine richtige Oder-Neiße-Friedensgrenze.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Gestern kam auf ZDF-Info eine Doku über das unmittelbar an der ehemaligen Grenze gelegene und nach beiden Seiten eingeschlossene Dorf Sparnberg, gegenüber dem oberfränkischen Dorfes Rudophstein, bekannt seit 1966 durch den Grenzübergang mit Autobahnbrücke. Ich muss gestehen, dass mir Sparnberg nie aufgefallen ist, obwohl ich in meiner Hofer Zeit (und bei späteren Besuchen danach) öfter in Rudolphstein war und es hätte sehen müssen. Das erste Mal war ich dort noch während der Bauarbeiten für die neue Brücke, für die ein Stück BRD-Gebiet durch einen hohen Holzzaun für die Zeit der Bauarbeiten faktisch zur DDR gemacht wurde - auch das kam in der gestern wiederholten Doku zur Sprache.

      [youtube]i5B0QxvjnvE[/youtube]

      Ich erinnere mich noch an die Radio- und TV-Reportagen im Dezember 1966 zur Eröffnung des Übergangs Rudolphstein. Am nächsten Tag stand im Hofer anzeiger unte anderem, dass kurz nach der Autobahnbrückeneröffnung ein über den bisherigen Übergang Töpen-Juchhöh aus der DDR kommender Autofahrer den Bundesgrenzschützern gesagt hat: "Ich soll ausrichten, dass ich der Letzte bin". War er dann auch, der Übergang wurde geschlossen und die Brücke abgerissen. Für Töpen, dessen Wirtschaft vom Grenzverkehr mit langen Wartezeiten profitiert hatte, eine Katastrophe.
      Das blieb so bis zur Wiedereröffnung von Brücke und Übergang am 21.12.1989.
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      - Kurt Tucholsky -
      Ich wohne in Sichtweite der A9, die 70 km weiter südlich auf den besagten
      ehemaligen Grenzübergang trifft. Für uns war es völlig "normal" das in
      Höhe Schleoz das erweiterte Sperrgebiet begann. Einfahrt nur noch mit
      Sondererlaubnis. ber diese Situation hatte man überall auf der Ostseite
      der Trennlinie zwischen den beiden deutschen Staaten.
      Besonders die Einwohner dieser Grenzgebiete hatten darunter zu leiden.
      Aber nur wenn sie an ihrer alten Heimat gehangen haben. Ein Umzug
      und Neustart in andere Gebiete war erwünscht und mitunter auch zwangsweise
      durchgesetzt. Hier haben nach der Wende Legionen von Menschen die
      Heimat verlassen ohne das jemand im Westen dies als Ungerechtigkeit
      angeprangert hat. Sollte man die Geschichte hinter den Geschichten wohl
      etwas genauer ausleuchten. Die Zeit der Einrichtung der Mauer lag noch
      vor meiner Erlebnsiwelt. Aber spätestens ab Beginn der 70iger Jahre
      kann ich effektiv aus dem Leben in der DDR berichten. Als Kind eines
      gesellschaftlich "ungeliebten" Privathandwerkers kann ich auch aus dem
      Spannungsfeld Staatsmacht- Privatinitiative berichten. Es war kein
      "Zuckerschlecken" aber auch nicht so wie in den hochgelobten Pseudo-Dokus
      (zB. "Das Leben der Anderen") dargestellt. Ich habe mich bisher immer ganz
      schlecht gefühlt, weil ich diesem Film nicht viel Authentizität abgewinnen konnte.
      So war mein Leben in der 70/80iger Jahren nur in ganz kleinen Teilen.
      Aber jetzt gibt es Hoffnung für mein persönliches Ego. Einem der
      Ideenlieferer dieses Film ("Das Leben...") geht es ebenso. Und er hat
      so viel Mut es in dieser Gesellschaft auch öffentlich zu machen....
      in gewisser Weise ein Tabubruch. :kopfkratz:

      Quelle:
      sueddeutsche.de/kultur/donners…ben-der-anderen-1.4300244


      Cristoph Hein:
      Nein, "Das Leben der Anderen" beschreibt nicht die Achtzigerjahre in der DDR, der Film ist ein Gruselmärchen, das in einem sagenhaften Land spielt, vergleichbar mit Tolkiens Mittelerde. Der Herr der Ringe wollte mit einem Märchen die reale Welt beschreiben, es sollte wohl eine Allegorie sein, in der Sauron der Abscheuliche für Stalin stehen soll und Saruman, der Mann der schlauen Pläne, Hitler darstellen sollte, während die Freien Völker die Alliierten verkörperten.


      Was macht das nun mit uns?

      Cristoph Hein:
      Denn zehn Jahre nach jener Filmpremiere erzählte mir ein Professor der Germanistik, er habe - aus welchen Gründen auch immer - meine Anti-Zensur-Rede von 1987 mit seinen Studenten besprochen. Die Studenten hätten ihn gefragt, wie viele Jahre Gefängnis der Autor dieses Textes wegen bekommen habe. Der Professor erwiderte, der Autor sei nicht ins Gefängnis gekommen. Darauf meinten die Studenten, dann sei dieses Pamphlet erst nach 1989, also nach der Wende, geschrieben worden. Nein, erwiderte der Professor, er selbst habe bereits 1987 diese Rede gelesen. Das sei unmöglich, beharrten die Studenten, so könne es nicht gewesen sein, sie wüssten das ganz genau, weil sie ja den Film "Das Leben der Anderen" gesehen hätten. Man sei, sagte der Professor zu mir, nach diesem Seminar in Unfrieden voneinander geschieden.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Ich habe das Leben in der DDR ab den 70ern ansatzweise durch Verwandte, meistens aus Ost-Berlin, mitbekommen. Einer durfte nicht studieren, weil Kriegsdienstverweiger und Bausoldat, seine 7 Brüder haben sich irgendwie anders durchgemogelt, teilweise waren sie auch bei der Armee. Über größere Pressionen haben sie nicht berichtet, da hatte ich, als westdeutscher 68er, wesentlich mehr Ärger mit "meinem" Staat, auch Schwierigkeiten bei der Einstellung als Arzt im Krankenhaus, wenngleich nicht so viele wie meine Mitstreiter die Lehrer geworden sind.
      Wobei das Leben der Wehrpflichtigen bei der NVA schon strapaziöser war als das beim "Bund", nach allem, was mir von beiden Seiten berichtet wurde (ich hab im Westen Zivildienst geleistet, was damals noch Ziviler Eersatzdienst hiess).

      Bekannte hatten einen Ausreiseantrag gestell, waren wohl ausser in der Kirche nicht politisch aktiv, der Grund war auch eher ein familiärer (Mutter im Westen schwerkrank). Da verlor die Frau ihren Job als Kunsthistorikerin am Museum und musste in den verbleibenden 3-4 Jahren bis zur Ausreise im gleichen Museum Archivarbeiten leisten. Das Telefon wurde abgehört, was man an der schlechten Tonqualität merkte. Einmal sagte der Schwiegersohn zu seinem Westdeutschen Schwiegervater: "Ach, ich versteh die heut wieder so schlecht, die kommen wohl mit ihrer Abhöranlage nicht klar." Dann knarzte es in der Leitung, eine Männerstimme: "Gäht's nu bessr ?", nochmal knärz ! spratzel ! und dann ging's tatsächlich besser.
      Das war das einschneidendste Erlebnis mit der Staatssicherheit aus dem persönlichen Bereich, das mir berichtet wurde.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -