Die Coronoia geht um

      Die Coronoia geht um

      Nein, ich hab dieses Kunstwort, das es erst seit ca. einem Monat gibt, nicht von Beate Bahner geklaut, der zeitweise psychotisch anmutenden Heidelberger Verschwörungstheoretikerin und Anwältin für Medizinrecht, sondern es ist schon davor auf meinem eigenen Mist gewachsen. War ja auch nicht allzu schwierig, zeitgleich auf eine ähnliche Idee zu kommen - allerdings mit unterschiedlichen Konsequenzen.

      Seit sechs Wochen fühle ich mich in die postfaschistischen Fünfziger Jahre, oder noch weiter, zurückversetzt.
      Sei gehorsam !
      Bleib zu Hause !
      Halte Abstand !
      Vermeide unnötige Kontakte !
      Du bist nichts, die Volksgesundheit ist alles !
      Ein unnützer Schritt aus Deiner Wohnung, und ein alter Mensch muss sterben - durch deine Schuld !


      Dauernd gibt es Sondersendungen im TV, auf's vorgedruckte Programm ist kein Verlass mehr. Wenn ich unterwegs bin, und das bin ich als notorischer Nestflüchter oft, kann ich mich nirgendwo reinsetzen und eine Kleinigkeit essen oder trinken oder einfach meine Zeitung lesen, selbst das Auffinden einer Toilette unterwegs wird zum Problem. In manchen Bundesländern war selbst das Lesen auf der Wiese oder einer Parkbank verboten (wurde jetzt wohl gelockert),
      Das Verlassen der Wohnung ist ab Samstag um 0 Uhr nur noch unter triftigen Gründen erlaubt. Unter diese Gründe fallen auch Joggen und Bewegung an der frischen Luft – allerdings nur alleine oder mit Personen des Haushalts.

      (aus der Berliner Morgenpost)

      in Hamburg das Essen in der Öffentlichkeit (es sei denn, man ist obdachlos), und woanders gibt es eine Mindestentfernung von 50 oder 100 Metern, die zurückzulegen ist, bevor man ein eben erworbenes Lebensmittel zu konsumieren beginnt. Es gab schon Bußgeldverfügungen wegen Eis-Essens in allzugroßer Nähe zur Gelateria - das Argument, bis zum Pflichtentfernungspunkt sei das Eis geschmolzen, entkräften die Gesetzesmacher in Schleswig-Holstein, indem sie nunmehr nicht-essbare Behältnisse vorschreiben. Bisher hat mich mein Auto gerettet, das ich zum nicht-öffentlichen Raum erklärt habe.

      Das Ganze erinnert an die NS-Volksgemeinschaft, bis hin zu selbsternannten Blockwarten (nein, das heisst heutzutage ja "besorgte Bürger"), die eifrig Lockdown-Sünder denunzieren - einen Kollegen z.B. der zu seiner in Schleswig-Holstein gelegenen Arbeitswohnung fuhr und vor Ort von der Polizei auf sein Hamburger Autonummernschild angesprochen wurde. Zum Glück konnte er glaubhaft machen, dass er kein heimtückischer Tourist war.

      Eine Freundin, aufgrund nicht-coronarer Krankheit ausser Stande, das Haus zu verlassen, darf von einer 90jährigen Freundin, die 200 Meter entfernt im Heim wohnt und mobil sowie im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte ist, nicht besucht werden, weil das Heim eine vollkommene Ausgangssperre verhängt hat. Und die Seniorin traut sich nicht dagegen vorzugehen, weil sie es mit der Heimleitung nicht verderben will - später könnte sie ja auf deren Wohlwollen angewiesen sein.

      Was aber das Schlimmste ist:
      Viele meiner Freund/innen, mit denen ich seit Jahren zusammen arbeite, für Geflüchtete, und gegen Nazis, stimmen auf einmal in diese Quasi-Volksgemeinschafts-Kakophonie mit ein (z.B. auf Facebook), ja warnen sogar lauter als Merkel vor Lockerungen oder fordern eine Verschärfung bzw. Verlängerung des Lockdown. Wenn man dagegen hält, dass zB kleine Cafes mit Hygiene-, Abstands- und Gastregistrierauflagen weniger infektionsträchtig seien als zB Bau- und Supermärkte, wo die Menschen, da anonym unterwegs, schneller gegen Regeln verstoßen, wird einem Komplizenschaft mit den Wirtschaftsführern vorgeworfen, die am liebsten sofort zum alten Leben zurückkehren wollten und für den schnöden Mammon über Leichen gingen (was im Einzelfall ja auch stimmen kann).

      Dass durch unsinnige Lockdown-Einzelschikanen massenhaft Existenzen von Kleinunternehmer/innen akut gefährdet sind, wollen sie nicht sehen. Und dass ich keinesfalls sämtliche Lockdown-Bestimmungen sofort aufgehoben haben möchte (wie AfD-Faschisten und teilweise auch FDP), denn manche sind ja sinnvoll, wie Mindestabstand, oder Verbot von Großveranstaltungen. Meinetwegen auch Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen und Verkehrsmitteln - schlepp ich die Dinger halt mit mir herum, daran soll's nicht scheitern.
      Aber in einen Topf schmeissen mit Krisenleugnern wie Bahner oder Ignoranten wie Trump und Bolsonaro lasse ich mich nicht.
      So, das musste mal raus.

      In diesem Sinn einen trotzdem schönen 1. Mai und hoffentlich bald besseren Folgetagen.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -

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      "Der eine sagt so...der andere so." Das sagt zumindest der thüringische Volksmund.
      Es ist schwer ein vernünftiges Mittelmaß zu finden, wenn man später die Konsequenzen
      der Entscheidungen tragen muß. zB. die Besucherin, die den Virus mit ins Altersheim
      bringt. Mal abgesehen von einer plötzlichen Personalnot wegen Erkrankungen bei den
      Angestellten werden dann auch massiv Heimbewohnerplätze frei.
      Oder die Politiker, denen dann etwaige Personenschäden angelastet werden. Die brauchen
      sich bei der nächsten Wahl gar nicht mehr aufstellen lassen.
      Ich war diese Woche wieder einmal im UKJ. Ein riesiger Komplex von Lehre, Forschung und
      flächendeckender Spezialbehandlung. Und ich sage Euch, da gehste nicht mehr einfach so
      rein. Am Eingang: Personenkontrolle
      *Fragebogen, Fieber messen, vereinzeln und Maske (zumindest Spuckschutz auf)
      Wer keinen hat muß wieder abtreten. Nicht mal das Universitätsklinikum gibt en einzelne
      Patienten die in die Ambulanz kommen welche ab. Stationäre Patienten werden wohl zentral
      versorgt werden.
      *Begleitpersonen für Tagespatienten sind nur in Ausnahmefällen (Arztanforderung) zugelassen.
      *Vor jeder Fachabteilung saß ein "Wachhund" und hat den Passierschein vom Einlaß kontrolliert.
      Und eine Kopie davon blieb dort damit später nachvollzogen werden kann wo ich war.
      *In den Warteräumen blieben immer 2 Plätze frei. Auf den Fluren waren Einbahnstraßen eingerichtet
      um das "Aneinander Vorbeigehen" zu minimieren.
      *Im Klinikum habe ich niemanden der verschiedensten Ebenen ohne diese OP Masken gesehen.
      So ganz ohne Angst vor einem Entgleiten des Infektionsgeschehens sind die offensichtlich nicht.
      Die Haltung zu Staat und Spielregeln in der Gesellschaft ist bei den Menschen die in der DDR
      sozialisiert wurden offensichtlich anders als in der Rumpf-Bundesrepublick.
      Individualismus und persönliche Grenzenlosigkeit ist manchmal eben nicht alternativlos wenn
      es um die Gemeinschaft geht.
      PS: Für die alte Dame gibt es wahrscheinlich nur die Geduldslösung. Bei dem fortgeschrittenen
      Alter ist das natürlich sehr bitter.
      Für den umgekehrten Fall (Besucher im Altenheim) haben die Schweizer ne klasse Idee:
      swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/da-bescherbox-100.html
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Bei einer Beurteilung des "schwedischen Sonderweges" kamen mir ganz sonderliche
      Gedanken.
      Schweden umgeht die strickten Quarantäneregeln und setzt auf allgemeine Achtsamkeit.
      Das bringt sowohl einen wirtschaftlichen als auch einen gesellschaftspsychologischen
      Vorteil...solange man die 3-fach höhere Sterberate verdrängt. Und da ist die Infektions-
      situation noch nicht mal entgleist. Da geht also weit mehr!
      Wenn man über Faschismus redet ist es wohl in Schweden angebracht.
      "Riskiere Dein Leben für Volk und Vaterland."
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Ich würde zum Jahresende nochmal die Zahlen vergleichen. Möglicherweise hat es sich da etwas angeglichen. Für mich zeichnet sich ab, dass es Corona-Hotspots v.a. dort gibt, wo Menschen auf engem Raum zusammengeprercht sind, wie in einem Bremer Flüchtlingsheim, oder wie die Schlachthofarbeiter in Cosfeld bzw. Brad-Bramstedt/Kellinghusen. In letzterem erkrankten über 100 Arbeiter, meist Rumänen und Albaner, die in Kellinghusen in einer alten Kaserne untergebracht und jeden Tag mit einem Bus nach Bad Bramstadt gekarrt wurden. Die Behörden in Itzehoe (Kellinghusen liegt im dortigen Kreis Steinburg) deckten den Skandal mit einem Massentest auf, während das Gesundheitsamt in Bad Segberg (wo Bad Bramstedt liegt) geschlafen hatte. Damit haben jetzt die Itzehoer den Schwarzen Peter mit einer Neuinfektionsrate über 50/100.000 Einwohner - dummerweise haben sie nur 131.000 Kreisbewohner. Der größere Kreis Segeberg (276.000) hätte diese Neuinfektionsrate "verkraftet", ohne über die magische Zahl 50 zu kommen. Dadurch, dass der Hotspot klar benannt werden konnte, schrappten die Steinburger nochmal an einem Re-Lockdown vorbei.

      Auch in Schweden stammen viele der Betroffenen aus Hochhausvierteln, wo v.a. Migrantenfamilien auf engem Raum zusammen leben. Die ersten schwedischen Corona-Toten waren somalische Einwanderer.
      Die beste Vorbeugung scheinen mir nicht mehr harte Lockdown-Regeln zu sein, sondern die Auflösung von Massenquartieren, wo ein Sicherheitsabstand zwischen den Menschen schwierig bis unmöglich ist.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Es gibt mittlerweile nur eine Erkenntnis für die Vorgänge rund
      um die Verbreitung eines "Erkältungsvirus" von neuem Typ.
      Der macht ihn besonders lethal gegenüber den für unseren Körper
      bekannten Coronaviren alten Typs oder aber auch den "Grippeviren",
      für die zumindest ein Impfregime entwickelt wurde.
      => Hilflosigkeit <=
      Daher die rigerosen Einschränkungen, die sich auf die niedrigste Stufe
      der Infektionsverhinderung beziehen. Oder wie mancher sagt: Mittelalter-
      rezepte.
      Nun kann man die Sache durchaus weiterentwickeln. Asiatische Staaten haben
      durch ihre Infektionserfahrungen (Bevölkerungsdichte, Virenlast aus der Umwelt)
      schon einen Vorsprung. Warum nehmen wir diese Erfahrungen nicht als Vorbild?
      Weil es unseren Grundrechten widerstrebt.
      Was sagt uns die Lebenserfahrung? Man kann nicht alles haben.
      Deshalb ist die Selbstverwirklichung des Individuums nicht alternativlos.
      Den Rahmen der eigenen Freiräume gibt die eigene Gesellschaft vor.
      Im besten Fall hat die Führung dieser Gesellschaft sowohl des Wohlergehen
      aller Menschen die ihren Teil mit beitragen, die Schonung der Umweltressourcen
      als auch die positive Zusammenarbeit mit den anderen Völkern im Blick.
      Da braucht es erst einmal eine grundlegende Einstellung der Psyche der
      Menschen: "Vom ich zum wir."
      Und an diesem Punkt setzt meiner Meinung nach die Kritik der Verschwörungstheoretiker
      ein. Eine "Weltregierung" ist aber nicht die Katastrophe! Sie wäre es nur, wenn die US-Amerikaner
      sie stellen würden. Deshalb hat mich unsere Kanzlerin tief enttäuscht, als sie aktuell den
      Führungsanspruch der USA bestätigte.
      Angela, so wird das nix mit blühenden Landschaften. :daumenrunterklein:
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Eine "Weltregierung" ist aber nicht die Katastrophe! Sie wäre es nur, wenn die US-Amerikaner
      sie stellen würden.

      Wohl wahr.
      Russland bzw Putin wär mir auch nicht Recht.
      Entweder ein internationales Team, oder ein Winzland wzB
      Bhutan
      San Marino
      von mir aus auch Island.
      Die aktuelle Regierungschefin Jacinda Ahern aus Neuseeland wär auch nicht schlecht, zusammen mit dem UN-Generalsekretär Guterres.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      PS 1
      Die 95jährige Dame aus dem Altenheim darf inzwischen wieder raus.
      PS 2
      Nach Öffnung der Gastronomie mit einigen leicht erlernbaren Neuregelungen (Mundschutz bis zum Sitzen, wieder aufsetzen wenn man aufsteht, Händedesinfektion am Eingang) entspannt sich mE die Lage.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -

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      Zum schwedischen Sonderweg:
      Riskiere Dein Leben für Volk und Vaterland.

      Der entscheidende Unterschied zum NS-Regime ist, dass die Schweden das Risiko freiwillig eingehen. Sie wissen, was sie riskieren und was nicht.
      Und dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Überschreitung der Empfehlungen tödlich oder mit schwersten Gesundheitsschäden endet, weitaus geringer ist als 1933-45 in Deutschland oder den besetzten Gebieten.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Gestern Abend hab ich wieder einen großen Topf Bolognese gekocht, anstatt wie letzten Montag allein gegen das Mini-Mikrophönchen des Dutzend Aluhut/Coronaleugnerdemonstanten auf dem Norderstedter Marktplatz anzubrüllen (was mir locker gelang), bis ich keine Lust mehr hatte und stattdessen mir noch ein Bier gegenüber bei meinem Lieblingsportugiesen genehmigte, der seit diesem Tag endlich wieder offen hat. Das Auto stand sicherheitshalber daheim. Vielleicht gibt's auch einen gescheiten Regen, und die Herrschaften halten sich ausnahmsweise an die Aufforderung, die ich als bekennender Klaustrophobiker im Rahmen der geltenden Regeln missachte: Stay at home.
      PS.
      Geregnet hat's nicht. Ich weiss nicht, wie viele und ob überhaupt welche auf dem Norderstedter Marktplatz waren.

      Am Sonntag hab ich dann eine große Runde mit dem Auto gedreht und nach 45 Minuten Wartezeit über die Elbe gesetzt, von Glückstadt nach Wischhafen. An die Aufforderung, auf der Fähre eine Maske zu tragen hat sich ausser mir kaum jemand gehalten, es ist zu hoffen dass die steife Brise die Viruslast gering hält. In der hübschen Stader Altstadt wiederum wenig Gedränge, auch in den Restaurants keine Mühe den Mindestabstand einzuhalten. Vor dem Elbtunnel dann wieder "standesgemäß", ja, Stand halt. Rechtzeitig zum diesmal ausnahmsweise mal wieder guten "Tatort" (aus Stuttgart) daheim.

      Ansonsten:
      Die Rente kommt pünktlich, das erhöhte Zusatzgehalt aus der Praxis dank der schwangeren Kollegin auch. Corona hat uns bisher verschont, ausser telefonischer Beratung und einzelner verordneter Überwachungen von Unglücksraben, denen es aber allen wieder gut geht.

      Zwischendrin Detektivspiel in Form von Fahndung nach Abstrichergebnis einer auf Verdacht quarantänisierten Altenpflegerin, die eine Woche nach Test wieder raus und auch arbeiten wollte. Die Meldestelle war nämlich im Kreis Segeberg, der Abstrich passierte im Kreis Stormarn, aber wo war das zuständige Labor ?
      Segeberg meldete per Email, dass negative Tests nicht mitgeteilt werden müssten. Aber ab wie vielen Wochen gilt ein nicht mitgeteilter Test als negativ ? Als Antwort auf diese meine per Mail gestellte Frage erfuhr ich erstmal nix, aber das Gesundheitsamt verfügte Quarantäne-Ende und Arbeitsbeginn für die erleichterte Altenpflegerin. Das war am Freitag.
      Und am Montag spuckte unser Fax zehn Tage nach dem Abstrich das Ergebnis aus: NEGATIV.
      Standort des Labors: Geesthacht, Kreis Herzogtum Lauenburg. Gut das zu wissen.

      Wobei es manchmal, wie inzwischen erfahren, auch schneller geht. So wie bei einem Test Freitag vor einer Woche, den ich ausnahmsweise selber zu machen hatte. Abends rief mich das Labor an, auch hier negativ, ich mailte die gute Nachricht an alle Praxisteammitglieder und verschaffte damit uns allen ein beruhigtes Wochenende.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Ein Spitzenkandidat für das Unwort 2020 ist ganz sicher "Aluhut".
      Ich fahre 4 mal die Woche nach Gera zum arbeiten. Doch einen
      Menschen mit "Aluhut" auf dem Kopf habe ich noch nie gesehen.
      Wenn in den Köpfen der Menschen einiges durcheinandergeht hilft
      aber auch eine Farradayische Abschirmung der Hirnmasse nix.
      Denn dort wo nur Meinung ist bleibt kein Platz für Sachverstand.
      Wobei die angebliche Querverbindung zwischen dem 5G-Telefonnetz
      und dem Korona-Virus neuen Typs völlig abstrus wäre.
      PS: Wenn man den Mainstream-Medien Glauben schenkt ist Gera ein
      Zentrum der "Aluhut-Bewegung".
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Ich hab auch noch keinen Aluhut bzw einem mit dieser Kopfbedeckung garnierten Menschen gesehen. Das Wort ist vielmehr eine Metapher für Personen mit Verschwörungswahn wie Ken Jebsen, Atilla Hildmann, Xavier Naidoo oder das AfD-Pack. Hergeleitet ist es aus alten Science-fiction-Quellen, wonach eine metallene Kopfbedeckung gegen elektronische Einflussnahme auf das ggf doch vorhandene Hirn des Trägers schützen soll. Ich geb das nur wieder, erfunden hab ich weder das Thema noch den Gegenstand. Mehr hier:
      de.m.wikipedia.org/wiki/Aluhut
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Die Corona-Problematik macht Hamburg wieder mal zum Trendsetter.
      Ein Kandidat für das Unwort des Jahres 2020 ist auch "Cornern" (hier
      im Schanzenviertel). Ich hatte heute früh beim traditionellen Frühstück
      in unserem regionalen Einkaufsmarkt ähnliche Erlebnisse. Da gab es
      fast Handgreiflichkeiten zwischen Gästen und Personal zur Durchsetzung
      des staatlich angewiesenen Hygieneplans. Wer den Anweisungen nicht
      folgen wollte brauche ich sicher nicht weiter ausführen. :sonicht:
      Draußen auf dem Großparkplatz war ein "Trödelmarkt" organisiert und
      wahrscheinlich amtlich genehmigt.
      Die vielen rot/weißen Absperrbänder konnten mir aber auch nicht dabei helfen,
      ein sinnhaftiges Hygienemanagment zu erkennen.
      Da war das Publikum vom Ablauf im Einkaufsmarkt natürlicher Weise geschockt. :oops:
      Und nun zum "Cornern":
      Straßenpartys mit (je nach Publikum) wechselndem Slogan
      Ob nun Protest, Flash Mop, mediteranes Lebensgefühl oder einfach nur
      geselliges und preiswertes Besaufen...Gruppenkuscheln ist dabei Standart.
      mopo.de/hamburg/schluss-mit-co…-schanze-trocken-36921242
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Die Zeiten, in denen ich abends noch in der Stadt herumgegeistert bin, sind vorbei. Nicht wegen Corona, sondern weil ich dem nichts mehr abgewinnen kann. Da kann man nur hoffen, dass sich das Virus nicht so lang hält wie bei Fleischfabrikarbeitern, weil
      1. wärmer (die virenhaltigen Tröfchen verdunsten schneller
      2. weniger anstrengend dh weniger heftige Atemaktivität
      3. das Ganze im Freien und nicht in einer umluftventilierten Halle
      4. die Leute besser drauf dh bessere Abwehrlage.

      Nachher geh ich mal wieder auf den Wochenmarkt in Hamburg-Langenhorn, wo im Gegensatz zu Schleswig-Holstein Maskenpflicht herrscht.

      Ansonsten ist das C-Wort in unserer Praxis kaum noch Thema, ausser beim Mindestabstand/Terminmanagement. Wobei sich die privat zu zahlenden (bei uns: 55€, woanders sind es, hab ich gehört, bis 200) Testwünsche ansonsten Beschwerdefreier häufen, sei es, dass eine Operation ansteht und die Anästhesie-Abteilung ein negatives Testergebnis wünscht, oder dass sie einer als Schwedenrückkehrer geoutet hat und jetzt aus seiner Quarantäne befreit werden will.
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Der Kreis Segeberg ist nicht mehr Insel der Seligen bezüglich Corona - "wir" haben inzwischen auch über 70 Neuerkrankte auf 100.000 Einwohner. Da tröstet es wenig, wenn Hamburg weit über 100 hat. Auch in unserer Praxis sind die ersten Fälle aufgetaucht - gestern musste ich mich testen lassen, weil ich einem derselben zu nahe gekommen war (immerhin mit Maske und Visier), gestern um 22:00 die erlösende Nachricht: NEGATIV. Negativ heisst in diesem Fall positiv - für mich.
      :reg:
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      - Kurt Tucholsky -
      Glückwunsch. Aber wie sonst auch: nach dem Test ist vor dem nächsten Test.
      Zumal Du mitten im Brennpunkt stehst.
      Auf meiner derzeitigen Arbeitsstelle herrscht ein strenges Hygienereglement.
      Da merkt man ganz deutlich, das die Konzernleitung in Frankreich sitzt und damit
      schon krassere Erfahrungen mit dem Infektionsgeschehen gemacht hat.
      Doch die direkten Arbeitskollegen sind eher vom Typ "Leugner" im Sinne von
      einem normalen saisonalen Grippegeschehen.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Ich hab so eben die Meldungen von der "Querdenker"-Demo in Leipzig gelesen.
      Jede Menge Teilnehmer (16000 +) sind dort, ohne Abstand und/oder Atemschutz.
      Mich läßt eine Frage etwas ratlos zurück: Weshalb setzen sich so viele Menschen
      in der aktuellen Corona-Erkrankungswelle noch einem zusätzlichen Infektions-
      risiko aus ?
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Es gibt in unserer Bevölkerung einen Bodensatz von +/- 20%, der zu dumm oder zu niedeträchtig ist, normale bzw. für uns nachvollziehbare Überlegungen anzustellen und danach zu handeln. Wenn man das mit der Anteil der einstigen NSDAP- oder der aktuellen Trump-Wähler vergleicht, geht's uns noch gut.
      PS.
      Immerhin scheint dieser Sack jetzt doch abtreten zu müssen, nachdem der "normale" bzw. anständige Wähleranteil etwas größer war. Aber nicht viel.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -