Weihnachten und Egoismus

      Weihnachten und Egoismus

      Ich lese gern die Kolumnen der Autorin Sybille Berg.
      Als geborene Schweizerin hat sie einen ganz besonderen
      Blick auf unsere deutsche Gesellschaft. Sozusagen ein
      distanzierter Blick von außerhalb.
      So eine Kolumne enthält vorrangig private Ansichten des
      Autors, anders als bei authentisch recherchierte Reportage.
      Und trotzdem kann sie genau so viel Wahrheit und vorallem
      Weisheit übermitteln.

      Quelle: spiegel.de/kultur/gesellschaft…r-egoisten-a-1244866.html

      Enthält eine Anzahl von offensichtlichen Gesellschaftsentwicklungen,
      die in den unten eingefügten Zitat münden
      Es hat sich im Denken der Mehrheit seit Feudalzeiten nicht viel
      verändert. Jede hat ihren Platz in der Gesellschaftsordnung, jede will mehr,
      nach oben, noch weiter, und um das zu erreichen, darf man nicht nach unten
      schauen, nicht zurückschauen, nicht denken. Die Unfähigkeit der meisten,
      Leute, die einem nicht in Einkommen und Gestalt ähneln, als Verwandte
      wahrzunehmen, ist der Hauptmotor des Kapitalismus, ist der Grund, warum
      das Leben aller immer anstrengender und kälter wird.
      Aber mit Online-Shopping. Hurra. Weihnachten, das Fest der Liebe. Aber. Wir
      lieben einander nicht. Die Liebe ist eine Erfindung des Kapitalismus, um
      Zeug zu verkaufen.
      Ein alter Satz ist fast aller Motto - Jeder stirbt für sich alleine - Und damit: ein schönes Fest.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      "Ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest" wünschen wir
      uns hier. Ist die Frage: Worauf sollen wir uns besinnen?
      Zumindest für die Katholiken unter uns gibt ihr Chef (äh Papst)
      die Richtung vor. :zwinker2:
      Und diesmal beläßt er es anläßlich der Weihnachtsansprache nicht
      nur beim Verlesen von uralten Bibelzitaten, bei denen sich die
      Menschen so ihre Gedanken machen können, sondern er mahnt
      in deutlichen Worten die Defizite unserer Gesellschaften an, die
      diese Welt bedrohen.
      Quelle:
      Papst Franziskus hat bei der traditionellen Christmette an Heiligabend die menschliche Gier nach Konsum kritisiert. Zugleich rief der argentinische Pontifex am Montagabend im Petersdom in Rom zur Besinnung auf die Spiritualität sowie zum Teilen mit den Armen auf. "Der Mensch ist gierig und fresssüchtig geworden", sagte der Papst. Für viele sei "das Anhäufen von Dingen" zum Lebensinhalt geworden. "Wir müssen den Gipfel des Egoismus überschreiten."
      Quelle: n-tv.de
      Papst Franziskus hat bei der traditionellen Christmette an
      Heiligabend die menschliche Gier nach Konsum kritisiert. Zugleich rief der
      argentinische Pontifex am Montagabend im Petersdom in Rom zur
      Besinnung auf die Spiritualität sowie zum Teilen mit den Armen auf. "Der
      Mensch ist gierig und fresssüchtig geworden", sagte der Papst. Für viele sei
      "das Anhäufen von Dingen" zum Lebensinhalt geworden. "Wir müssen den
      Gipfel des Egoismus überschreiten." "Eine unersättliche Gier durchzieht die
      menschliche Geschichte, bis zu den Paradoxa von heute: Während einige
      sich Festmahlen hingeben, haben viele andere kein Brot zum Leben", fuhr
      Papst Franziskus fort. "Man darf nicht in die Schluchten des mondänen
      Lebens und des Konsumismus abrutschen." Der kleine Körper des Kindes
      in Bethlehem habe ein neues Lebensmodell entworfen, sagte das
      Oberhaupt von weltweit 1,3 Milliarden Katholiken mit Blick auf die Geburt
      Jesu, der Christen an Heiligabend gedenken. Dabei gehe es nicht um
      "fressen und hamstern, sondern um teilen und geben", predigte Franziskus.
      "Fragen wir uns: An Weihnachten, teile ich mein Brot mit dem, der keines
      hat?"


      Der Autor des Textes konnte es sich aber nicht vergneifen, dem Auftritt des
      Papstes eine ideologische Breitseite zu verpassen.
      Der aus Argentinien stammende Papst hatte als Priester Jorge Bergoglio früher in Buenos Aires
      häufig die Armenviertel besucht. Franziskus ist geprägt von der "Volkstheologie",
      der argentinischen Variante der sozialistisch geprägten "Befreiungstheologie".

      Ich setze noch eins drauf: Dem Papst ist es gelungen (auf Grund seiner
      Lebenserfahrungen unter den Armen Bevölkerungsschichten), dem Kern
      der Widersprüche (die diese Welt zerreißen), näher zu kommen.
      PS: Schon im Zusammenhang mit der Frage "Kann uns die amerikanische
      Form des Kapitalismus das Überleben als Menschheit sichern?"
      tun sich Abgründe auf. Es ist allerhöchste Zeit eine neue Form der
      wirtschaftlichen Organisation der Weltwirtschaft zu entwickeln. Und diese
      Entwicklung beginnt ganz unten, bei jedem Einzelnen. Der eine mag die
      Religion als Inspiration nehmen, ein anderer den Leitsatz einer untergegangenen Epoche
      ("Vom Ich zum Wir"). Allein wichtig ist das Ziel. Und das ist in jedem Fall
      gleich.
      In einer Kolumne über den Zusammenhang zwischen dem Kapitalismus
      und dem Überleben der uns bekannten Welt kann man es noch einmal
      zusammengefaßt nachlesen.
      Ein weiteres Hyperobjekt ist der Kapitalismus, bei dem es
      scheinbar kein Außen gibt und keine Alternative: Es sei für die meisten
      Menschen leichter, hat der Theoretiker Fredric Jameson einmal gesagt, sich
      das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Um eine
      politische Alternative zu imaginieren zu einer Gegenwart, die in Destruktion,
      Fatalismus und Apathie verharrt, wenn es um die Basis menschlichen
      Lebens auf diesem Planeten geht, ist es wichtig zu verstehen, wie beides
      zusammenhängt: das Überleben des Kapitalismus und das Überleben der
      Welt.

      Quelle:
      spiegel.de/kultur/gesellschaft…en-kolumne-a-1222540.html
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      "Kann uns die amerikanische Form des Kapitalismus das Überleben als Menschheit sichern?"

      Offensichtlich ja nicht.
      Die kurzfristige Anhäufung von Gewinn und das "rechtzeitige" Abstoßen des bisher gewinnbringenden Objekts, das es das jetzt nicht mehr tut, ist ja exemplarisch für die Zerstörung unserer Natur und unseres Zusammenlebens. Der aktuelle US-Präsident ist ja ein besonders übles Beispiel für diese Geschäftspraktiken, die ihn zu dem gemacht haben, was er jetzt ist, bzw. schon vor seiner "Wahl" war. Ich hab das interessanterweise in einem Interview anlässlich der letzten US-Präsidentenwahl gehört, wenige Stunden bevor die Katastrophe komplett war.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -