Fluechtlingsbetreuung/Containertagebuch

      Fluechtlingsbetreuung/Containertagebuch

      Habe infolge des Verlaufs diesem Endlosthread einen neuen Titel gegeben
      (bisher: "Migranten und ihre Betreuung).
      Grizzly.


      Gestern wurde ich durch den erschütternten Bericht in einem
      anderen Board auf ein spezielles Problem aufmerksam, an welches
      wir uns erst gewöhnen müssen. obdachlose Migranten
      Migranten die sich durch das Abtauchen in die Illegalität der
      Abschiebung entziehen wollen, Migranten die sich nicht registrieren
      lassen wollen weil sie schon Straftaten begangen haben (im Herkunfts-
      land zB. Kriegsverbrechen oder hier zB. illegale Einreise) oder Migranten
      die ein anderes Zielland vor Augen haben und eigentlich hier nicht auf
      Dauer bleiben wollen....Alle die haben ja keine Möglichkeit auf einen Platz
      in den Notunterkünften (manchmal sind die auch überfüllt) oder später
      in den Wohnungen der Kommunen. Aber sie existieren und müssen
      um ihr Leben auf der Straße kämpfen. Mit zunehmender Nachtkälte wächst
      der Druck bei der Suche nach einem warmen Nachtlager. Dabei kommt es
      gewollt oder ungewollt durch die andere Kultur und Sprachprobleme mitunter
      zu bedrohlichen Szenen. So wurde im obigen Fall eine junge Frau in der
      Nacht von 2 Männern ohne deutsche Sprachkenntnisse bedrängt auf der
      Suche nach einem Nachtlager. Ob sie jetzt noch in der Nacht auf den Straßen
      der Kleinstadt mit guten Gedanken von der Arbeit nach Hause geht mag ich
      bezweifeln. Diese illegalen Migranten sind lt. Sicherheitskräften kein
      Einzelfall. In Berlin hat sich sogar ein Verein gefunden der versucht zu helfen.
      Hoffe mal sie begünstigen dadurch nicht mögliche Straftaten. :kopfkratz:

      n-tv.de/politik/Fluechtlinge-s…ouch-article16046376.html
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Migranten die sich nicht registrieren lassen wollen weil sie schon Straftaten begangen haben (im Herkunfts- land zB. Kriegsverbrechen

      Ich denke das ist die krasse Minderheit.
      Und diese Verbrecher haben immer noch eine bessere Infrastrukur als die armen Würstchen, die in der :ob: ntv-Reportage beschrieben werden - diese Helfer verhindern eher das Zustandekommen von Straftaten, die diese Obdachlosen sonst vielleicht begehen würden (Einbruch um ein Nachtlager zu bekommen oder für etwas zu Essen). Die Verbrecher wiederum werden in ihrer eigenen Infrastruktur eher Überlebensmöglichkeiten finden, wie z.B. die kürzlich verurteilten ruandischen Kriegsverbrecher. Die haben es nicht nötig, auf eine evtl. nächtens vorbeikommende Passantin zu warten um sie zu überfallen.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Alle Migranten die sich hier anmelden werden polizeilich
      "erkennungsdienstlich" erfaßt: also Fotographieren, Fingerabdrücke
      nehmen und Personalien sichern. Schon das ist für viele eine
      Hürde. Nicht alle haben Pässe bei sich, manche auch keine echten...
      Und zusätzlich ergeben sich aus dem Einwanderungsgesetz einige Unannehmlichkeiten:
      *Wer einreist und sich hier registrieren läßt, muß in Deutschland
      Asyl beantragen und nur dort.
      *Wer hier Asyl beantragt und abgelehnt wird bekommt in der Regel (ob nun
      freiwillig wieder ausgereist oder zwangsweise abgeschoben) eine unbefristete
      Wiedereinreisesperre . Da ist nicht mal ein Touristenvisum drin!
      *Da der Grenzübertritt ohne gültige Einreisepapiere illegal ist (in Ungarn jetzt sogar
      schon eine Straftat) fürchten sich einige Migranten auch vor Verfolgung durch
      die Sicherheitsorgane. Wobei auch die Unterstützung von nichtregistrierten Migranten
      durch Einheimische nach dem Asyl-Gesetz eine strafbewerte Verfehlung darstellt.
      Bis jetzt hat sich aber noch keiner getraut, es in Deutschland zur Anklage zu bringen.
      * Nachdem die Liste der sicheren Herkunftsstaaten nun noch einmal kräftig erweitert
      wurde haben viele Migranten den amtlichen Weg auf eine Aufenthaltsgenehmigung
      aufgegeben und versuchen ihr Glück im Untergrund. Damit haben sie ja in den
      Herkunftsländern auch schon Erfahrungen gesammelt.
      Mittlerweile wird von offiziellen Stellen zugegeben, daß es einen beträchtlichen Anteil
      von "Schatten-Migranten" gibt, die nicht erfaßt sind. Wird es wohl unausweichlich sein,
      eine neue staatliche Institution zu schaffen: die Einwanderungspolizei
      (In den USA als INS bekannt.) Diese ist dann einzig mit Aufgreifen von Illegalen und
      Durchsetzung von Rückführungen beschäftigt.
      PS: So ganz unter uns...die Polizisten bekommen jetzt auch schon Sonderschulungen
      für den Umgang im Dienst mit Migranten. Sinnvoll ist`s alle mal!
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Ich geh mal davon aus, dass die Nazis allemal ein weitaus größeres Problem sind als ein paar illegale Migranten.
      Vor letzteren hab ich jedenfalls keine Angst.
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Seit gestern bin ich sporadisch (ca. 2x wöchentlich) und ehrenamtlich als Arzt in einem Sanitätszelt am Hauptbahnhof für durchreisende Flüchtlinge tätig.

      Das Betreuungswesen für ankommende Flüchtlinge läuft in Hamburg (und wohl nicht nur dort) einigermaßen chaotisch, weil die offiziellen Stellen über ihre eigenen Füße d.h. Bürokratievorhaben stolpern, und somit alles viel länger dauert, als es müsste. Z.B. wollte der zuständige Gesundheitsamtsarzt (den sie auch aus der Rente zurückgeholt haben) mir erst mal unbedingt einen Honorarvertrag aufdrücken, obwohl ich keine Kohle dafür will - erst das Argument meines Steuerberaters, dass selbständige Einkünfte für mich jetzt "steuerschädlich" seien (die umständliche Begründung erspare ich mir), liessen ihn davon Abstand nehmen. jetzt stehe ich auf einem Dienstplan für das Sanitätszelt vorm Hauptbahnhof, diese Woche einmal, das war gestern, und nächste Woche vermutlich zweimal vormittags, mehr als 2x die Woche wollte ich nicht.

      Im Hauptbahnhof drinnen gibt's unter einer Treppe einen Stand mit der englich-arabischen Aufschrift "Sweden" und aussen drauf einem Pappdeckel, auf dem steht "Germany Immigration - Harburg". D.h. wer hierbleiben will, soll zum Harburger Bahnhof fahren - wo allerdings gestern keinerlei Empfang vor Ort war, ich bin dagewesen. Wäre ich Flüchtling, würde ich mich zu den Zügen nach Harburg durchfragen und, dort angekommen, vermutlich irgendeinen der zahlreichen dort herumschwirrenden muslimisch gekleideten Menschen ansprechen und dann wohl irgendwann in einer der Erstaufnahmelager landen. Deutsche Organisation geht anders ... Wahrscheinlich stehen ehrenamtliche Helfer/innen an den aus Süden kommenden Zügen und lassen sich von den Flüchtlingen ansprechen - als ich dort war, sind grad keine angekommen.
      Viele der in Hamburg Gelandeten wollen wohl nach Schweden weiter. Unter der Treppe werden sie beraten, bekommen etwas neue Kleidung wo nötig, und Familien bzw. Bedürftige werden vor den Bahnhof zum Zelt geleitet, wo sie zu essen und zu trinken bekommen. Nur Familien mit Kindern dürfen ins Zelt, sonst wird's zu voll, der Rest campiert draussen (der Platz ist überdacht).

      Ein zweites, kleineres, Zelt daneben ist das Sanitätszelt, und damit mein "Revier". Mehrere Rettungsassistenten und Krankenschwesern versehen hier ihren ehrenamtlichen Dienst, die meisten haben daneben noch einen regulären Job. Das Klima ist sehr familiär, ich hab mich sofort wohlgefühlt, zumal ich im Gegensatz zu anderen Kollegen keiner bin, der den (in meinem Fall ohnehin nicht vorhandenen) Doktor raushängt. Befremdlich, dass man zu jeder Untersuchung - die meisten Patienten sind erkältet - erstmal einen Einmalkittel, Mundschutz und Handschuhe anziehen muss, zwecks möglicher Infektionsgefahr. Ich lasse die Dolmetscher als erstes erklären, was diese Maskerade soll, damit die Leute keine Angst bekommen.
      Die zu untersuchenden Kinder kriegen alle erstmal ein Spielzeugsanitätsauto, das finden sie toll. Ich lasse Fieber messen, höre sie ab, gucke in den Hals und taste sie soweit als notwendig ab, mehr braucht's nicht. Und mehr als Hustenbonbons und manchmal Aspirin (für die Erwachsenen) haben wir auch nicht zu verteilen. Hätten wir Antibiotika gebraucht, wär's umständlich geworden, aber machbar.

      Für Syrer (das sind die meisten) und Afghanen (das ist die zweitgrößte Gruppe) sind Dolmetscher da. Manche Syrer sprechen englisch, die Afghanen weniger. Für Eritreer und Somali hab ich mir aus meiner alten Patinentenkartei Telefondolmetscher besorgt. Auf Arabisch kann ich mich grad mal vorstellen: "Salaam aleikum - ana hakim" ("ich Arzt"), dann ist fast schon Schluss. "Shukran", danke, wenn ich fertig bin, und zum Abschied nochmal "salaam aleikum", das kenne ich aus Karl May.
      Problematisch war ein junger zusammengebrochener Syrer, aus dem herauszubekommen war, dass er vor einem Jahr einen Bombenangriff mit 100 Toten überlebt hat. Das war zum Glück nur einer - man stelle sich vor, nach einem Angriff würde die Straße vor von solchen Menschen sein ... Er wollte ins Krankenhaus, und das konnten wir auch organisieren. In diesen Fällen fordern die Hamburger Krankenhäuser und Krankentransportdienste derzeit keine Krankenversicherungsnachweise.

      Ich freue mich, trotz solcher Herausforderungen, auf meinen nächsten Einsatz. Helfersyndrom hin oder her, aber ich find's schön, wenn ich gebraucht werde und in einem freundlichen Team arbeiten kann.
      :reg:
      :wechsel:
      Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
      - Kurt Tucholsky -
      Gut, daß Du aus Deiner ehrenamtlichen Tätigkeit berichtet hast.
      Macht einen optimistischen Ausblick. Danke! :blreich:
      Und wieder diese typisch deutsche Bürokratie.
      Für Dich wäre Geld für den Honorarvertrag von der Hamburger
      Stadtverwaltung aufzutreiben gewesen. Für die Medikamente geht
      dann schon nix mehr. Wer soll das verstehen...... :haarerauf:
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Doch irgendwie müssen neue Instrumente her.
      Für dieses Jahr 1,5 Millionen und im nächsten Jahr
      nicht weniger Migranten. Da helfen die bisher
      erprobten Vorgehensweisen nicht.
      Ein von Bild iveröffentlichter interner Untersuchungs-
      bericht des Innenministeriums sagt dazu folgendes:
      Allein von den bis zu 920.000 Asylbewerbern (Zeitraum Oktober bis Dezember 2015) könnten
      durch Familiennachzug bis zu 7,36 Millionen Asylberechtigte werden, die dann auch in Deutschland leben
      wollen.

      Dabei ist es unerheblich ob wir damit zurecht kommen oder nicht.
      Wenn wir keine neuen Alternativen zur bisherigen Flüchtlingspolitik
      finden wird es uns so gehen wie der "Perestroika" in der DDR:
      Wer zu spät kommt den bestraft das Leben.
      Ein Politikwissenschaftler in der Sendung von Günther Jauch hat es
      in eine Vision gepackt die hoffentlich nicht eintritt. Denn diese befürchtete
      Entwicklung könnte eine neue "Bundesrepublik Deutschland" hervorbringen....
      nationaler und weiter rechts als die heutige.
      Quelle: Bild
      Patzelt entwarf ein düsteres Bild einer weiterhin ungebremsten Zuwanderung. Die Wirklichkeit
      werde die Antwort auf die Frage geben, wie viele Menschen wir aufnehmen können: Die
      Demonstrationen derer würden zunehmen, die beklagten, dass sie Wochen und monatelang in
      menschenunwürdigen Unterkünften untergebracht seien. „Im Winter werden sie klagen, dass es zu
      kalt ist, dass es nicht Speisen gibt, die mit ihrer Kultur in Einklang sind. Sie werden sich dagegen
      wehren, dass sie von Frauen untersucht werden. Sie werden sich gegen Übergriffe auf ihre
      Unterkünfte wehren“, prognostizierte der Wissenschaftler. „Es wird die Anzahl der
      Auseinandersetzungen unter den auf engstem Raum untergebrachten Menschen zunehmen. Die
      Polizei wird Prügelknabe sein. Das alles wird äußerst hässliche Bilder produzieren.“ Dann, so der
      Politologe, werde die Realität die Frage nach den Grenzen der Zuwanderung beantworten.


      Und selbst der Zentralrat der Juden in Deutschland fühlt sich gedrängt auf die Gefahr
      eines arabischstämmigen Antisemitismus in Deutschland durch die Migranten hinzuweisen.
      finanznachrichten.de/nachricht…en-antisemitismus-003.htm
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Wir müssen da durch.
      Eine "Mengenbegrenzung" wird nicht funktionieren, es sei denn durch Bekämpfung der Fluchtursachen als absolut einzige Option. Zaun bringt nix, da nehmen die Menschen einen Umweg, und was "Rückführung", Abschiebung oder korrekterweise Deportation - so heisst es auch im Englischen - betrifft, so hat die Bundespolizei schon jetzt Probleme, Personal für diese auch ihre Akteure psychisch belastende Tätigkeit zu bekommen, siehe SPIEGEL:
      spiegel.de/spiegel/vorab/bunde…chiebungen-a-1055700.html
      Zumindestens was Kinder und deren Eltern/Betreuerinnen betrifft, hat dies ein absolutes No-Go zu sein.


      Zu meinem o.g. Bericht:
      Wäre ich Flüchtling, würde ich mich zu den Zügen nach Harburg durchfragen und, dort angekommen, vermutlich irgendeinen der zahlreichen dort herumschwirrenden muslimisch gekleideten Menschen ansprechen und dann wohl irgendwann in einer der Erstaufnahmelager landen. Deutsche Organisation geht anders ...

      So desolat läuft's nicht, hab mich heut nochmal erkundigt.
      Wenn Züge ankommen, in dem Flüchtlinge vermutet oder auch oft durch Helfer aus den Abfahrorten angekündigt werden, stehen gekennzeichnete Helfer/innen am Bahnsteig und geleiten die Angekommenen zum "Schwedenterminal" unter der Treppe oder bringen sie mit der S-Bahn nach Harburg, wo dann auch Helfer sind.



      Und überhaupt:
      Wir Deutschen sind für einen Krieg mit 55 Millionen Toten verantwortlich, wir haben jetzt auch gegen den Widerstand einiger Ewiggestriger diese neue und sicher nicht einfache Aufgabe zu meistern. Schaffen wir das, so kann auch ich sagen (und das hab ich noch nie gesagt):

      Wir können stolz sein auf unser Land und seine Leute.

      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Ja grizzly...da steckt viel Einsatz und Herzblut der Helfer drin.
      Und alle haben es verdient ehrlich gelobt zu werden. :blreich:
      Doch wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Und um
      da mit einem positiven Ergebnis rauszukommen wird wohl
      noch mehr mobilisiert werden müssen.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      ... wird wohl noch mehr mobilisiert werden müssen.

      Es kommen laufend neue. Während meines Dienstes meldete sich zB an unserem Zelt ein Rentner, der grad aus Griechenland kam, wo er 4 Wochen auf Lesbos mitgeholfn hatte. Jetzt suchte er hier eine Anschlussbetätigung.
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, dass das Problem der Flüchtlinge, sei es wg. Krieg oder wg. Armut, ausschliesslich durch Bekämpfung der Fluchtursachen in den Griff zu bekommen ist. Der Schriftsteller Ilja Trojanow, dessen Familie selbst aus Bulgarien geflüchtet ist, hat hierzu in der TAZ einen sehr guten Kommentar geschrieben - ganzer Text hier:
      taz.de/!5235257/

      ( ... ) die Berichte über das Voranschreiten der Wüste in der gesamten Sahelzone, über Landgrabbing in vielen Regionen Afrikas, über Waffenlieferungen großen Stils seitens der Rüstungskonzerne in führenden Ländern der Nato und nicht zuletzt die Angriffskriege im Nahen Osten hätten uns schon früh auf die kommenden Fluchtbewegungen hinweisen müssen. Fast die gesamte Region von der Westsahara bis zum Horn von Afrika ist inzwischen ein einziges Bürgerkriegsgebiet.

      Übrigens haben die Konflikte in Syrien auch einen ökologischen Hintergrund – das Land hat eine schreckliche, fünfjährige Dürre durchlebt. Wir sollten also zum Beispiel einmal darüber reden, was wir gegen den Klimawandel tun müssen, tun ganz im Sinne von handeln, anstatt das dümmliche Mantra zu wiederholen: „Wir können doch nicht alle bei uns aufnehmen.“ ( ... )

      Wir könnten damit beginnen, die eigene Politik unter die Lupe zu nehmen. Eine aktuelle Analyse des Instituts für Welternährung zeigt auf, wie die gegenwärtige Entwicklungspolitik der Bundesregierung, schönfärberisch „New Alliance for Food Security and Nutrition“ genannt (ein Bündnis der führenden Industriestaaten mit den multinationalen Konzernen der Agrar-, Chemie- und Lebensmittelindustrie, u. a. Cargill, Dupont, Danone, Monsanto, Nestlé, Swiss Re, Syngenta, Unilever), die Flüchtlingsströme aus Afrika verstärken wird. Denn der angestrebte Strukturwandel in der dortigen Landwirtschaft – industrielle Massenbewirtschaftung unter der Kontrolle internationaler Konzerne – wird unzählige Kleinbauern ihrer Existenz berauben. ( ... )

      Nach Schätzungen des Instituts wird diese von der Bundesregierung unterstützte Politik in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Kleinbauern in Afrika vertreiben! Würden wir nicht die Flucht, sondern die Fluchtursache bekämpfen, könnten wir die falsche Entwicklungspolitik leicht ändern.
      Stattdessen tun Politiker und Kommentatoren so, als seien sie überrascht worden von dem Ansturm der Menschen, die sich vor Klimawandel, Gewalt und sozialer Marginalisierung zu retten versuchen. ( ... )

      Also sollen wenigstens die Schlepper militärisch bekämpft werden (das sind angeblich die größten Verbrecher), damit die Flüchtlinge möglichst keine Chance haben, zu uns zu gelangen, damit sie also zu ihrem eigenen Wohl und Gedeih in ihren Heimatländern bleiben und dort verhungern oder verdursten oder erschossen werden. Wie kann es sein, dass kaum jemand darauf hinweist, wie absurd ein Asylrecht bei gleichzeitiger Abschottung ist?

      Besonders verblüffend ist in diesem Zusammenhang das Attribut „geldgierig“, das benutzt wird, um die Schlepper zu dämonisieren. Als übrigens meine Eltern mit mir geflohen sind, hier kommt ausnahmsweise die eigene Lebenserfahrung zum Tragen, hießen die beiden Studenten, die uns den Weg über den Eisernen Vorhang gezeigt haben (gegen Geld!), „Fluchthelfer“ und galten, nicht nur in unserer Familie, als Helden. Ist nicht die Geldgier laut neoliberaler Theorie die gesegnete Kraft, die zu gesunder Konkurrenz führt, die wiederum Wohlstand schafft, weil jeder gegen jeden um den besten Platz und das prallste Konto kämpft?

      Verzeihung, ihr öffentlichen Heuchler, aber ein Geschäftsmann, der in Landgrabbing investiert, oder ein Shell-Manager, der in der Arktis drillen lässt, ist genauso ein Verbrecher wie ein Schlepper, der gegenwärtig das Böse schlechthin darstellt. Sie alle akzeptieren für ein wenig Profit das Leiden oder gar Sterben von Menschen und die schweren Schäden an der Gesellschaft. Was ist der moralische Unterschied zwischen dem Inhaber einer Textilfabrik, der den Tod seiner Arbeiterinnen in Kauf nimmt, und einem Schlepper, der den Tod der Flüchtlinge in Kauf nimmt?

      Wir erleben dieser Tage und Wochen, wie wirr der moralische Kompass ausschlägt, wenn man absehbare Probleme aus ideologischen oder egoistischen Gründen nicht an der Wurzel behandelt. In diesem Wirrwarr haben leider die allerwirrsten Stimmen die besten Chancen, gehört zu werden.
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Nun ist es wieder mal an der Zeit das einem
      der Kamm schwillt. Irgendwie bin ich enttäuscht
      von den Organisatoren der "Migranten-Unterbringung".
      Aufreger ist der Bezug des alten außer Funktion
      genommenen Teiles des "Wismut-Krankenhauses"
      in Gera. Selbst meine Schwester hat dort noch
      meinen Neffen entbunden. :winkewinke:
      Im Zentrum des Geländes befindet sich ein Springbrunnen
      der zum Verweilen einlädt und eine Bronzestatue. Der
      Springbrunnen ist noch da, doch die Statue mußte dem
      Islam weichen. Denn eine unbekleidete Frau kann man diesen
      Menschen auch als Kunst nicht zumuten.
      Wenn wir alle Bereiche die von den Migranten in Beschlag
      genommen werden von mitteleuropäischer Kunst und Kultur
      befreien müssen wird sich kein konfliktfreies Miteinander einstellen. :kopfkratz:
      otz.de/startseite/detail/-/spe…era-weggeraeumt-953340774
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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      Eine Meldung von heute früh im Focus macht deulich wie
      sich unsere Politiker die Akzeptanz europäischer Lebens-
      weisen durch die teils streng muslimisch lebenden Migranten
      vorstellen.
      Was für ein "Träumchen". :feuerspuk:
      Was hat der Jugendpfarrer König aus Jena schon vor Wochen
      bei einer Anhörung im Stadtrat zum Thema "Integration der
      Migranten" gesagt: "Ihr habt doch gar keine Ahnung!"
      Und er betreut als kirchlicher Streetworker schon über Jahre
      Migranten in Jena. :icon_thumbsup:
      Aber nun erst mal die bayrische Sozialministerin
      Quelle: focus
      05.33 Uhr: Nach Aussage der Bayerischen Sozialministerin Emilia Müller (CSU) soll das geplante
      bayerische Integrationsgesetz von den Zuwanderern "ein klares Bekenntnis zu unserer Rechts- und
      Weltordnung" einfordern. Das sagte sie gegenüber der "Welt". Dazu gehöre auch, dass die Gleichstellung
      von Mann und Frau vorbehaltlos akzeptiert werde."Ich erwarte zum Beispiel, dass sich im Krankenhaus
      ein Mann selbstverständlich auch von einer Frau untersuchen lässt und umgekehrt" – andernfalls müsse
      es Konsequenzen geben, forderte Müller. "Es ist doch keine Frage, wer sich dann nach wem richten muss."

      Der letzte Satz kann auch aus dem Munde des Imam kommen und die ganze Sache im Sinn umdrehen.
      Denn bei einem streng gläubigen Moslem gibt es nichts was über Gott (Allah) und seinen Propheten und ihren Schriften steht.
      Da hat es selbst das Grundgesetz keine Chance. Auch deshalb mußte die
      Skulptur in Gera weichen.....
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      Ich frage mich manchmal auch, warum ich immer alles hinterfragen
      muß und nicht einfach den Dingen seinen Lauf lasse. Manchmal gerate
      ich mit den Mitmenschen auch deshalb in Konflikt. Doch ein Ingenieur
      will eben allem auf den Grund gehen. Und heute fand ich in diesem
      Zusammenhang ein supi Zitat vom Philosophen Nitzsche:
      Quelle: DW
      Auch die hohlste Nuss will noch geknackt sein.
      > Friedrich Nietzsche

      :icon_thumbsup:
      Genau!!! Das ist wie "Pilzesuchen" im Wald. :zwinker2:
      Allein die richtige Antwort auf eine Problemstellung bringt einen Schub von Endorphinen....
      für den Intellektuellen ein Moment der Glücksseligkeit.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.
      Die haben einen Knall, sowohl die CSU-Tante als auch die Bilderstürmer. Wir haben nach 1968 nicht gegen die damals herrschende Prüderie gekämpft, damit jetzt alles wieder rückwärts geht. Und bei der Flüchtlingsarbeit gibt's sicher dringendere Aufgaben als die Umsetzung von Kunstwerken.
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Seit vorgestern bin ich wieder im "Einsatz".

      Nachdem der bisherige Sanitätsdienst (Falck) sein Zelt plötzlich abgebaut hatte und ich somit "arbeitslos" geworden war, hab ich ein bissl getrommelt mit dem Ergebnis, dass der Paritätische Wohlfahrtsverband einen Container neben sein Versorgungszelt am Hauptbahnhof hingestellt und mich zum "leitenden" Arzt befördert hat. Jetzt fahr ich fast jeden Morgen zum Hauptbahnhof, sperr "meinen" Container auf, seh nach dem Rechten und versorge die Flüchtlinge die da kommen. Mittags lass ich mich ablösen, wenn jemand kommt - sonst sperr ich zu und melde im Betreuerzelt, dass jetzt halt keiner da ist. Morgen ist ein Meeting zwecks besserer Organisation, weil es bei dieser Problemlage nicht nur sporadisch eine Erste-Hilfe-Station geben kann - gestern Abend war ich zufällig nochmal da, und gleich kamen zwei neue Patienten, davon musste der eine mit Verdacht auf Handwurzelknochenbruch ins Krankenhaus. Ich hab dort angerufen ("natürlich müssen wir Notfälle behandeln, egal ob sie versichert sind oder nicht", war die Antwort im Krankenhaus Heidberg, während sie ihn im AK Barmbek genau deshalb abgewiesen hatten) ihn samt seinem Begleiter mit entsprechender Erklärung in die U-Bahn gesetzt. Sonst hätte die Stadt Hamburg wieder mal einen in diesem Fall vollkommen überflüssigen Krankenwageneinsatz sponsern müssen.

      Mir macht diese "Flüchtlingskrise" irgendwie Spaß. Der Bahnhofsvorplatz mit seinen Zelten und Flatterbändern erinnert mich an eine Bauplatzbesetzung (Gorleben, Startbahn West, Lenne-Dreieck), nur dass keine Polizei zum Räumen kommt - im Gegenteil, die sind froh, dass wir Freiwilligen da sind, ausser ein paar Arschlöchern loben uns alle, bis hin zu Angie. Wenn sich vor ein paar Wochen welche mit Transparenten "Refugees wellcome" auf den Bahnsteig gestellt hätten, wär gleich der Sicherheitsdienst gekommen und hätte sie verjagt - jetzt fragen sie höchstens mal freundlich nach zB ob der Container auch abgeschlossen wird wenn nicht besetzt (was der Fall ist, wg der dort lagernden Medikamente).
      Und die Arschlöchern machen bisher einen Bogen um uns, wir sind ihnen wohl zu viele.
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Und noch was Schönes:
      Aufgrund der Meldungen, dass das BKA jetzt vermehrt mit rechten Übergriffen auch auf Helfer der Flüchtlinge rechnet, hab ich mir ein paar Trillerpfeifen als einfach zu bedienende Alarmgeräte besorgt. Als ich der Ladeninhaberin erzählte, wozu ich die brauche, hat sie sie mir geschenkt. Gut, was ?
      :reg:
      :wechsel:
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      - Kurt Tucholsky -
      Ja grizzly, das ist cool.
      Von mir hättest Du einen Vorschlaghammer zur freien Benutzung bekommen.
      Ein Schmied ist eben so. :zwinker2:
      Da hab ich mal `ne Anektode aus der Zeit meiner Großeltern:

      Mein Vater hatte in der Mittelschule einen Abseß im Nacken.
      (weit verbreitet wegen der Mangelernährung in den Kriegszeiten)
      Beim morgentlichen "Heil Hitler" hat er deshalb nicht so schmissig wie
      gewünscht den Arm hochgerissen. Deshalb sollte er der Schule ver-
      wiesen werden. Da ist sein Vater (mein Großvater) in Holzpantienen
      und Lederschürze die 600 m den Berg hochgerannt, mit dem Hammer
      in der Hand und hat gebrüllt: Den Kerl (der Lehrer) erpoch (erschlag) ich.
      Ich konnte aber bisher nicht ergründen, ob unser Spitzname "Russenschmied"
      schon damals eine Rolle gespielt hat.
      Bei den späteren Machenschaften der Stasi sicherlich. :floet1:
      Denn wie es das Leben so will war unsere Werkstatt ein Treffpunkt von vielen
      Inoffiziellen, Offiziellen und gaaanz Normalen. Aber alle waren Kunden.
      Denn das ist ja schließlich unser Job! :kaffeetrinken1:
      Dies ist einer der Grundlagen für meine Mitte/Links vermittelnte Weltansicht.
      Wobei ich als gedienter Friedensaktivist auch jederzeit wieder eine Waffe in die
      Hand nehmen würde. Denn Frieden muß erkämpft werden.
      Mein Vater gehörte noch zu der glücklichen NachkriegsGeneration, die mit dem Motto
      erzogen worden: Der Deutsche der wieder eine Waffe anfaßt, dem müssen die Hände abfallen.
      Deshalb war er zutiefst enttäuscht, daß die Bundeswehr und die NVA (in dieser Reihenfolge!)
      gegründet wurden. Und er hat mich nur deshalb 3 Jahre zur NVA gehen lassen
      damit ich danach ein Maschinenbaustudium aufnehmen kann, für ein besseres
      Leben als das eines Handwerkers. Aber er konnte nicht wissen welche Wendungen
      das Wirtschaftssystem uns auferlegt.
      Wer sich für die Historie des "Russenschmieds" interessiert kann sich bei grizzly
      mal nach der Historie meiner Heimatstadt erkundigen. Da gibt es nicht nur uralte,
      alte sondern auch neuzeitliche Erkenntnisse aus der "Ostzone".
      Eine wichtige zB. ist: Deutschland und Rußland sind in weiten Bereichen historisch verbunden,
      als das es den Amis lieb ist.
      Wenn am Abend noch das Feuer brennt hat der Schmied den Feierabend verpennt.

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